Sonntag, 19. Januar 2020

Wenn ich mal König bin

... werde ich glaube ich Smartphones verbieten. Zack, einfach so, weg damit. Oder zumindest den Gebrauch limitieren. Gut, dass ist sicher übertrieben, es ist ja nicht so, als hätten die Geräte nicht viele nützliche Vorteile. Gerade auf Reisen ist das sehr praktisch, gebe ich zu, und meine erste Aktion nach dem Geldwechseln bei Ankunft in Myanmar war, meine dortige SIM-Karte wieder mit Guthaben zu versorgen. Man muss keine Reiseführer durch die Gegend schleppen, braucht keine Stadtpläne, alles im Gerät.

Verschärft

Aber trotzdem, der Mensch ist einfach nicht reif für das Gerät. Oder doch und ich bin es nicht? Auch möglich. Was einfach nervt, ist der kommikations- und wahrnehmungstötende Anteil der Dinger. Sie beherrschen inzwischen alles und jeden, mehr oder weniger weltweit. Sieben Menschen in einem Boot auf dem Than Lwin, die Hälfte hat nur Augen für den Bildschirm, um dort keine Ahnung was zu checken und zwar stundenlang. Muss ich dafür am anderen Ende der Welt herumschippern?

Lange hatte man unterwegs Angst vor Tropenkrankheiten oder bösen Räubern, heute sorgen fehlendes Netz oder magelnde Lademöglichkeiten für Panik. Wie soll man sich denn ohne Google Maps in der fremden Welt zurechtfinden? Sich verlaufen, am Ende (oh Gott!) echte Menschen mit Händen und Füßen nach dem Weg fragen? Irgendwie ist das alles nicht mehr richtig dosiert.

Ich gucke abends um zehn vom Balkon in Yangon, die Stadt schläft bereits weitgehend. Unten auf dem Bordstein sitzen alle fünf Meter die noch munteren Jugendlichen, vor jedem leuchtet das (möglichst große) Display, man hört Fetzen von Musik oder Ballerspielen in der Stille. Können die nichts sinnvolles machen oder zumindest zusammen einen Trinken gehen? Oder mal Lachen? Eines Abends in einem ausnahmweise teuren und edlen Restaurant muss ich eine Familie Chinesen zurechtweisen, weil mir die (in voller Lautstärke) jaulenden und fiependen und ratternden Ballerspiele, mit denen sich der Nachwuchs bei Tisch ohne unterlass beschäftigt, gehörig auf die Nerven gehen. Verwunderte Blicke, es seinen doch Kinder. Ja, genau. Und nicht die sind verantwortlich, sondern ihre missratenen Eltern, die für gutes Benehmen Sorge tragen sollten.

Reist man alleine, sind die Chancen gut, andere Menschen kennenzulernen. Das ist oft fein. Wird aber auch schwieriger, weil jeder nur noch mit sich selbst (sprich: seinem Telefon) beschäftigt ist und man sich kaum traut, zu stören. Ich habe den Eindruck, viele kommunizieren lieber mit den unendlich gespeicherten Bekannten daheim als mit ihrer realen Umwelt. Bloß nicht mehr raus aus der gewohnten Komfortzone, bloß nichts Neues. Ich treffe einen Slowenen, der von sich sagt: "Ich bin Handy-süchtig." Er versucht, dies auf seiner Reise zu bekämpfen und lässt sein Telefon abends bewusst im Hotelzimmer. Wir haben für eine ganze Weile Gesprächsstoff, ganz ohne Google Translator. Natürlich gibt es sie noch, die vielen ungeplanten und unplanbaren Begegnungen, die das Reisen unter anderem ausmachen. Aber es wird nicht leichter, ist mein Eindruck. Oder ich werde einfach alt.

Nicht wahr?

Da ist wieder das ungewohnte Gefühl, nach drei Wochen Socken und Schuhe anzuziehen. In dem Moment weiß man: die Reise ist vorbei. Das Verbot der Ausfuhr von Landeswährung ignorierend habe ich noch ein Bündel Kyat im Gespäck, die nicht mehr ausgegeben werden konnten. Das motiviert, irgendwann zurückzukommen, immer gut. Zu entdecken gäbe es noch vieles, ich schau mal auf dem Handy nach ...

Mal sehen, was als nächstes kommt

Keine Kommentare:

Kommentar posten