Montag, 6. Januar 2020

Than Lwin

Das Städtchen Hpa An schaue ich mir auch noch ein wenig an, besonders sehenswertes gibt es nicht. Eine typische Kleinstadt mit erstaunlich großem Markt, wo man von der Banane bis zur Waschmaschine alles bekommt. Am südlichen Ende liegt ein See, den ich mir noch anschaue, allerdings lohnt das nicht wirklich meine ich. Es gibt einen ganz guten Blick auf den Zwekabin, den höchsten Berg, der aber weitgehend im Dunst verschwindet.

Frühmorgens in der Stadt
Unterwegs zum Markt
Buntes Sortiment
See mit Hausberg Zwe Kabin

Das Leben tickt hier wirklich nach der Sonne. Pünktlich zum Sonnenuntergang rattern die Gitter vor den Geschäften herunter und kurz drauf werden die Bürgersteige hochgeklappt.  Man sucht vielleicht noch ein Restaurent oder den Nachtmarkt auf, abends um neun ist dann quasi Totenstille. Morgens dann umgekehrt, mit dem Sonnenaufgang erwacht so schlagartig alles zum Leben, als hätte man einen Schalter umgelegt. Mit Sonnenuntergang passiert noch etwas anderes, was ich mir am letzten Abend ansehen möchte. Eine auf der anderen Flussseite gelegene Höhle (was sonst) ist Wohnort von geschätzt zwei Millionen Fledermäusen, die jeden Abend pünktlich aus der Höhle schwärmen. Per Tuk-Tuk fahre ich hin und stelle fest, dass es dort erst einmal etwa zehn bis zwölf Stockwerke hoch zu klettern gilt, über grob behauene Stufen und rostige Leitern. Unser Arbeitssicherheitsfachmann würde wohl Sicherungsgurte und Stahlkappen empfehlen, jedenfalls nicht barfüßiges Heraufgeklettere. Oben angekommen bietet sich ein hübscher Ausblick auf die Flusslandschaft. Ich stelle allerdings fest, dass die Spalte im Berg, aus der die Viecher ausschwärmen, sich deutlich unterhalb befindet. Also erstmal wieder runter steigen, denn um überhaupt etwas Fotografieren zu können, muss man natürlich hoch schauen mit relativ hellem Himmel als Hintergrund. Relativ hell, denn es ist schon ordentlich düster, als das Schauspiel beginnt. Das allerdings ist schon beeindruckend, fast lautlos abgesehen von einem leichten Sirren, steigt etwa eine halbe Stunde lang ein endloses Band von Fledermäusen aus dem Felsspalt in den Abendhimmel. Dort kreisen bereits einige Raubvögel, für die gibt es hier jeden Abend frei Haus Fledermaus "all you can eat". Es sind einige Opfer zu beklagen. Die Feldermäuse hingegen werden von den in der Abenddämmerung am Flussufer tanzenden Mücken nicht viel übrig lassen, gute Tiere!

Hübscher Ausblick nach der Leitererklimmung
Da unten ist irgendwo der Fledermaushöhleneingangsspalt
Als es düster wird, schwärmt man herbei in großer Zahl

  Hpa An liegt am Ufer des Than Lwin (Salween), einem der vier großen Ströme Myanmars und der letzte, den ich noch nicht kenne bisher. Die großen Flüsse waren einst die bedeutendsten Verkehrswege des Landes, Myanmar verfügte gar über die weltweit größte Binnenschiffflotte. Mittlerweile sind die meisten staatlichen Fähren eingemottet, da hoffnungslos veraltet und zudem entstehen laufend schnellere Straßenverbindungen. Die Fähre von Hpa An zu meinem nächsten Zielort Mawlamyaing, etwa 60 Kilometer flussabwärts nahe der Mündung ins Meer, verottet auch schon seit einigen Jahren. Kleinere private Boote bieten aber eine tägliche Verbindung und ich entscheide mich für die Bootsfahrt. Leider heißt dies, drei Stunden in der typisch asiatischen Hockstellung auf Holzplanken den Hintern malträtieren, aber ansonsten sind Bootsfahren einfach immer fein, finde ich. Gemächlich tuckern wir dahin, eine angenehme Fortbewegungsart. Je näher wir Mawlamyaing und damit dem Mündungsgebiet des Than Lwin kommen, um so breiter wird der Fluss, bis er kurz vor der Stadt seeartige Dimensionen annimmt und man kaum mehr das andere Ufer sehen kann. Pünktlich landen wir in Mawlamyaing und mein Hotel ist nur wenige Tuk-Tuk Minuten vom Anleger entfernt zu erreichen. Eine gute Wahl! Ich bekomme einen Bungalow am Flussufer, mit seperatem Wohnzimmer inklusive Rattan-Sitzecke, feinen Holzböden, Terrasse und richtig gutem Internet. Das alles für einen annehmbaren Preis, besser habe ich hier glaube ich kaum irgendwo gewohnt. Da richte ich mich erst einmal häuslich ein für vier Nächte und schaue mir vom Terrassenrestaurant den Sonnenuntergang an, dazu ein Faßbier (!) für umgerechnet 50 Cent. Ein guter Einstieg soweit, was Mawlamyaing betrifft.

Unser Kahn auf dem Than Lwin
Kiesgewinnung wird hier viel betrieben, ist okölogisch aber wohl bedenklich
Unterwegs auf dem Fluss

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