Mittwoch, 15. August 2018

Kunst mit Künstler

Auf Schritt und tritt begegnet einem auf Lanzarote César Manrique. Der wohl bekannteste Spross der Insel hat diese als Künstler, Bildhauer und Umweltschützer erheblich mit geprägt und viele Spuren hinterlassen. Kaum eine Sehenswürdigkeit hängt nicht irgendwie mit Manrique zusammen.

Ich mache mich auf in die Berge nach Haria. Hier war zuletzt der Wohnort Mariques. Immer setzte er sich ein für einen Tourismus im Einklang mit der Natur und dem Charakter der Insel. Bausünden, wie sie in Spanien nicht selten anzutreffen sind und das Bild des Massentourismus prägen, sollten vermieden werden. Völlig geglückt ist das indes nicht, so dass sich der Künstler fernab der touristischen Küste zuletzt in den Bergen niederließ.

Recht abgeschieden liegt Haria
Der Ort erinnert ...
... an Oasen des nördlichen Afrikas
Hier wohnte der Künstler zuletzt
Hier ist er auch begraben, natürlich unter Palme und Kaktus

Ganz unabhängig von Marique ist Haria immer eine Fahrt Wert. Das Dorf liegt sehenswert zwischen Vulkangipfeln und Terrassenfeldern, mitten in einem Meer von Palmen. In meist völliger Stille lässt sich durch die weißen Gassen spazieren und von den Serpentinenstraßen der Umgebung der ein oder andere Ausblick genießen.

Terrassenfelder bei Haria
Wieder Landschaftskunst wo man auch hinschaut

In den 60er Jahren schuf Manrique in einem der weltweit größten Lavatunnel eine Sehenswürdigkeit. Nahe des Atlantik wurden Teile des Tunnels, Jameos del Agua, mit einem unterirdischen See für Besucher gestaltet, dazu entstanden ein traumhafter Pool und ein unterirdischer Konzertsaal. Da auch hier der Touristenandrang hoch ist, komme ich wieder morgens um neun. Leider macht das ganze erst um zehn auf und ich muss doch noch ins nächste Dorf fahren auf einen Kaffee.

Jameo Chico, der unterirdische See ist Heimat einer nur hier anzutreffenden Krebsart
Ein Cortado im Höhlencafé
Die Mutter aller Pools (Baden verboten)

Ein weiteres Werk Mariques, das die Landschaft für den Tourismus nutzt, ist der Mirador del Rio. Am letzten östlichen Zipfel der Insel thront auf einem Felsen hoch über der Steilküste der schön gestaltete Aussichtspunkt. Bei meinem erst Anlauf gab es allerdings nichts zu sehen außer tief durchziehnder Wolken und Regen, beim zweiten Versuch sieht es dann besser aus. Ich komme möglichst spät, richtiges Abendlicht ist leider aufgrund der Öffnungszeiten nicht möglich. 

Treppen führen im Inneren des Mirador ...
... vorbei an lauschigen Plätzen hoch auf den Felsen
Von dort der Blick auf die Nachbarinsel Graciosa
Steilküste im Osten der Insel
Und Café im Mirador

Am anderen Ende der Insel, in einem kleinen Dorf mitten im Nirgendwo, schaue ich noch bei einem weiteren Künstler vorbei. Der Deutsche Dieter Noss hat hier sein Haus als Gesamtkustwerk gestaltet. Der Garten und das Haus sind frei zugänglich und mit allerlei Skulpturen und Kunstwerken aus Gebrauchsgegenständen und Naturmaterial gefüllt. Sich hier einmal umzuschauen war auf jeden Fall eine gute Idee.

Vorsicht - Kunst!

Sonntags im Senegal

Ziemlich im Zentrum der Insel befindet sich Teguise, die erste alte Hauptstadt Lanzarotes. Es ist ein beschaulicher Ort mit engen Gässchen und viel Geschichte, den man so oder so besuchen sollte. Normal eher verschlafen endet die Beschaulichkeit jäh an den Sonntag Vormittagen, denn dann ist Markttag. Das gesamte Stadtzentrum wird zum größten Wochenmarkt der Insel.

Teguise, einst Hauptstadt

Wer früh kommt, so wie ich, parkt kostenlos und zentrumsnah und kann in Ruhe noch einen Kaffee trinken und beim Aufbau der Marktstände zusehen. Punkt neun Uhr beginnt dann der Anstrom der Touristen, stündlich werden es mehr und Tausende drängen sich durch die Gassen. Es herrscht schnell gedränge wie auf dem heimischen Weihnachtsmarkt. Ähnlich spannend ist auch das Warenangebot. Senegalesen stellen die Mehrheit der Standbetreiber und neben afrikanischen Masken, geschnitzten Giraffen und Lederwaren aller Art sind vor allem Sonnenbrillen, gefakte Uhren und ebenso gefakte Elektroartikel (meist rund um's Handy) im Sortiment. Auch ja, die typischen lärmerzeugenden Kinderspeilzeuge gibt es auch noch. Gibt es Käufer für den ganzen Plunder, fragt man sich. Natürlich gibt es die, wie auf allen Touristenmärkten der Welt wird auch hier tütenweise Kram abtransportiert.

Wer zeitig da ist, hat viel Platz zum Kaffeetrinken
Marktaufbau in allen Gassen
Geschnitztes aus Afrika

Wer sich aufmerksam umschaut stellt fest, das handgefertigter Schmuck und weitere Dekorationsgegenstände an einem halben duzend Ständen verteilt in der Stadt völlig identisch angeboten werden. Da wird von vielen Händen gefertigt, vermutlich. In der Verpflegungsabteilung lässt sich Rostbratwurst und Radeberger beim Thüringer verköstigen, daneben existieren ein halbes duzend britische Fastfoodwagen, die englische Kuriositäten zubereiten. Schlussendlich endecke ich auch noch die Ecke, wo ein paar Stände Erzeugnisse der Insel feilbieten. Ich kaufe "für 'nen Appel und ein Ei" kleine Paprikas zum Braten, ein Maisbrot und einen Ziegenkäse mit Paprikaschale.

Noch nichts los beim "Thüringer"
Dinge, die das Herz begehrt
Punkt neun trabt alles an, was Schlappen hat
Gassengedrängel

Wenn man vom Warenangebot nicht viel erwartet, ist es auf jeden Fall unterhaltsam, sich den ganzen Trubel anzusehen. Farbenfroh gewandete Afrikanerinnen sind ebenso ein Blickfang wie die traditionellen Musikanten Lanzarotes, die auf dem Hauptplatz Lieder schmettern. Zum Abschluss fahre ich noch auf den nahegelegenen Berg, wo ein kleines Kastell über Teguise thront. Von hier oben sieht die Stadt dann fast wieder verschlafen aus, blendet man die Parkplätze aus.

Ein-Mann-Kapelle geht immer
Folklore aber auch

Samstag, 11. August 2018

Das Salz der Meere

Wie es sich gehört, gibt es auch auf Lanzarote noch ein bis zwei traditionelle Salinen. Salinen sind meist hübsch anzusehen und außerdem muss ich meine Flor de Sal Vorräte auffüllen, das von La Palma mitgebrachte neigt sich dem Ende entgegen. Also fahre ich hin.

Leider sind die großen Salinen von Janubio nur aus der Ferne zu betrachten, Spazieren zwischen den Verdunstungsbecken und Salzhaufen ist hier nicht gestattet. Also begnüge ich mich mit ein paar Aussichtspunkten und einem Kurzbesuch im kleinen Shop. Salinen sind auch wieder so eine Art "Kunst ohne Künstler", finde ich.

Salinen von Janubio
Auch ein Stück "art without artists"
Monochrom und geometrisch
Ein rostiges Figürchen weist den Weg
Die Salinen im Norden der Insel wirken eher trostlos
Auch das internationale Marketing steckt hier noch in den Kinderschuhen

Mein kleiner grüner Kaktus

Die Gegend um die Orte Mala und Guatiza im Nordosten der Insel ist Kakteen-Land. Genauer gesagt wächst hier der Opuntienkaktus (dieser mit den Mäuseohren, bekannt im gesamten südlichen Europa) in rauhen Mengen soweit das Auge reicht. Das hat seine Gründe. Hier wurde nämlich erfolgreich die Schildlaus (Cochinilla) gezüchtet, die bevorzugt auf Opuntien leben. Mehrmals jährlich wurden die Läuse von den Kakteen "geerntet", um aus ihnen den begehrten karminroten Naturfarbstoff zu gewinnen. Diese Farbe (Lebensmittelfarbstoff E120) diente lange zum färben von Stoffen, für Lippenstifte und Getränke wie Campari.

Rund um den Ort Mala ...
... findet man die Opuntien-Kakteen auf großen Feldern. Das weiße sind die mit einer Wachsschicht geschützten Läuse.
Ein Herz für die Cochinille-Laus

Mitgebracht hatten die Spanier die Laus nebst Farbe aus Südamerika, vo sie schon seit Jahrhunderten unter anderem von den Azteken genutzt wurde. Dauerhafter roter Farbstoff für Stoffe war rar, so dass dieser Wirtschaftszweig eine Weile gut florierte. Mit der Entwicklung sythetischer Farbstoffe schwand die Bedeutung und das Gewerbe der Chochinillezucht wird heute wohl nur noch aus Tradition und EU-subventioniert betrieben.

Bekannte Verwendung des Karmin aus der Laus: Campari.
Fein: Pedros Supermarkt in Mala

Eine weitere bekannte Nutzpflanze gedeiht in der Gegend: Aloe Vera. Jeder kennt das Zeug, in allen möglichen Cremes, Schampoos und was weiß ich noch für Artikeln ist es enthalten. Aber warum und woher kommt das? Aufschluss verspricht ein kleines Aloe Vera Museum hier in der Gegend, wo ich natürlich vorbei schaue. Die Aloe stammt wahrscheinlich von der arabischen Halbinsel und wird in vielen subtropischen und tropischen Gegenden kultiviert. Die Pflanze wirkt auch ein wenig kaktusartig, daher passt das hier ganz gut. Schon seit Jahrhunderten kennt man die Heilkraft, die dem Gewächs innewohnt, zumindest wird ihr allerlei Heilwirkung zugeschrieben. Unumstritten ist dies soweit ich las allerdings auch nicht.

Aloe Vera in Reih und Glied

Nun ja, selbst Gandhi äußerte: "Ihr werdet mich fragen, welches die geheimen Kräfte waren, die mich während meiner langen Fastenzeiten aufrecht erhalten haben. Dies waren einmal der Glaube an Gott, mein einfacher und genügsamer Lebensstil und die Aloe, deren Wohltaten ich entdeckte, nachdem ich Ende des 19. Jahrhunderts in Südafrika angekommen war." (so zitiert es das Aloe Museum).

Gandhi im Museum

Was liegt näher, als in dieser Gegend der Kakteen einen Kaktusgarten anzulegen? So kommt es, als letztes Werk schuf Manrique (da ist er wieder) den Jardin de Cactus. In einer Art Arena inklusive alter Windmühle sind hier rund 1.500 Kakteenarten aus aller Welt gepflanzt. Noch einmal Landschaftskunst, jetzt mit Künstler. Das Ergebnis ist wirklich nicht schlecht und lohnt den Besuch. Kaktus-Kunst, hier ein paar Eindrücke:

Kaktus #1
Kaktus #2
Kaktus #3
Kaktus #4
Kaktus #5
Kaktus #6
Kaktus #7
Kaktus #8

Nie fotografierte ich derart viele Kakteen wie heute. Das reicht für's erste. Obwohl, einer geht noch:

Rote Opuntien kommen aus Mexiko.
Schöne Treppen gab es außerdem
Und Toiletten à la Manrique