Sonntag, 10. Februar 2019

Hosentaschentauglich

In Myanmar war ich dieses Mal nur mit Kompaktkameras unterwegs, ein Experiment. Damit wird das Handgepäck nochmals überschaubarer und vor allem habe ich vor Ort meist keinen Rucksack oder ähnliches benötigt. Nur mit einer Kamera in der Hosentasche läuft es sich völlig unbeschwert herum, das war durchaus angenehm. Ich erinnere mich noch gut an stundenlanges Geschleppe eines schweren Fotorucksacks, das kann einem die Laune schon mal verderben.

Nach rund drei Jahren mit der Sony RX100, Modell III, als kompakter Begleiter in Ergänzung zu anderen Kameras kann ich auf gute Erfahrungen mit dem Gerät zurückblicken. Nun habe ich mir noch das neuste Modell der Reihe zugelegt, leider sündhaft teuer, aber dafür mit großer Telebrennweite. Mit zwei kompakten Kameras sollte man gut gerüstet sein, so war der Plan.

Kompakter Doppelpack

In der Tat ergänzen sich die beiden Modelle gut. Einmal der größere Brennweitenbereich, die andere dafür lichtstärker und für schlechte Lichtverhältnisse besser tauglich. Die Akkus sind die gleichen, einen Ersatz hatte ich natürlich dabei. Die Kapazität der kleinen Stromspeicher ist leider nicht berauschend, für einen Tag reicht es aber meist. Da man problemlos in der Kamera laden kann, entfällt ein Ladegerät und nur ein kleines USB-Kabel muss ins Gepäck. Ein zusätzlicher Kartenleser bleibt ebenfalls zu Hause.

Das Modell VI bietet Tele bis 200mm (Vergleichsgröße Kleinbild)

Natürlich muss man sich auf einige Einschränkungen einstellen, wenn man aus Systemkameras verzichtet. Freistellung mit knapper Schärfe ist aufgrund des kleinen Sensors sehr eingeschränkt. Das ist für die Bildgestaltung mitunter schade, bei manchen Motiven ist der große Schärfenbereich selbst mit großer Blende dann wieder hilfreich. Bei höheren ISO-Werten fällt die Qualität naturlich ab gegenüber größeren Sensoren, Fotografieren bei wenig Licht ist nicht die beste Disziplin für Kompakte. Bis ISO 800 kommen aber durchaus brauchbare Ergebnisse heraus, was nun schon ordentlich ist. Zu Zeiten des Diafilms hatte man meist maximal ISO 400 zur Verfügung.

Der aufklebbare Griff links ist wichtig für die Haptik, ein Objektivdeckel nötig für den Hosentaschentransport

Das Miniaturformat bedingt eine etwas fummelige Bedienung, die nach einer Weile Übung aber gut von der Hand geht. Das aktuelle Modell hat durch ein individuell bestückbares Menü in Punkto Bedienung finde ich dazugewonnen. Die für mich wichtigsten Einstellungen wie Blende und Beleichtungskorrektur gehen flüssig von der Hand, wenn man sich einmal auf das leider etwas leichtgängige Einstellrad auf der Rückseite eingespielt hat. Aufpassen muss man allerdings immer, nicht versehtnlich Verstellungen vorzunehmen, was mir ab und zu passiert ist.

Für den Transport habe ich mir Objektivdeckel zugelegt (leider unterschiedliche Durchmesser bei beiden Modellen), das erscheint mir zum Schutz des Lamellenverschlusses in der Hosentasche notwendig. Die Displays habe ich mit billigen Schutzgläsern aus China bestückt, die bisher tadellos und kratzfrei ihren Dienst versehen.

Klappdisplays mit elektronischer Wasserwaage sind klasse

Die Displays sind auch bei hellem Licht absolut ok finde ich. Das gleiche gilt für die kleinen aufklappbaren elektronischen Sucher, die ich ebenfalls regelmäßig nutze.

Alles in allem leisten diese Kompaktkameras deutlich mehr als "Schnappschussniveau" und die produzierten Fotos im RAW-Format sind in vielen Fällen für mich qualitativ ausreichend. Bei einem Großteil der Reisebilder lässt sich im Ergebnis kein Unterschied zu Systemkameras feststellen, behaupte ich mal. Natürlich lässt sich nicht alles gleich gut umsetzen, ich vermisse zum Beispiel ein stärkeres Weitwinkelobjektiv. Trotzdem, um klein und leicht unterwegs zu sein, war die Reise mit den beiden Kompaktmodellen für mich mehr als ein fauler Kompromiss, sondern eine gangbare Alternative. Die Einschränkungen kennt man vorher, ich konnte mich darauf einlassen.

Samstag, 9. Februar 2019

Nachgemacht #2

Eine weitere typisch burmesische Spezialität (soweit ich weiß, gibt es das überhaupt nur in Myanmar) ist Laphet Thoke, Teeblatt-Salat. Diesen gut schmeckenden Snack bekommt man hauptsächlich für wenige Cent an Straßenständen und auf (Nacht-)märkten, teilweise auch in Restaurants. Der wichtige, namensgebende Bestandteil sind Teeblätter, die frisch gepflückt in einer Salzlake in der Erde vergraben werden für eine geraume Zeit. Die so fermentierten Blätter gibt es dann auch auf den meisten Märkten zu kaufen oder auch abgepackt im Supermarkt. Hierzulande dürften die so behandelten Teeblätter schwer bis gar nicht zu bekommen sein, was das Nachmachen von Laphet deutlich erschwert.

Teeblätter aus dem Supermarkt

Ich bringe aus Yangon der längeren Haltbarkeit wegen ein paar Beutel vakuumverpackte Teeblätter mit. Die bekommt praktischer Weise direkt mit der ebenfalls erforderlichen Mischung aus gerösteten Bohnen und Nüssen, die sonst auch nur ansatzweise nachzumachen wäre.

Wichtige Zutaten: allerlei geröstete Nüsse und Bohnen, kleine getrocknete Garnelen und gerösteter Sesam

Die Auswahl an Zutaten variiert, der Salat ist in Myanmar immer etwas unterscheidlich. In Restaurants bekommt man oft auch kleine Schälchen mit Inhaltsstoffen, die man sich nach Geschmack selbst zusammenstellen kann. Auch bei fertigen Mischungen erhält man zumindest Knoblauch, Limette und Chili dazu gereicht.

"Zubehör" für den Salat

Ich habe für den Salat als weitere übliche Zutaten kleine rote Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Frühlingszwiebeln, Chinakohl in feinen Streifen und Tomaten verwendet. Gewürzt wurde dann mit etwas Fischsoße, Limettensaft und grünen Chilis. Fertig ist der Teeblattsalat. Der Anteil an Teeblättern ist ein wenig geringer als beim Original, es schmeckt aber eindeutig nach "typisch Myanmar".

Würziger Teeblattsalat servierfertig

Samstag, 2. Februar 2019

Nachgemacht

Mohinga ist nicht nur Nationalgericht von Myanmar, sie zählt auch zu meinen Leibspeisen dort. Es liegt also nahe, sich die schmackhafte Suppe auch zu Hause mal zu kochen. Am Wochenende ist dafür Zeit und ich teste das einfach mal. Dazu habe ich Bestandteile aus verschiedenen Rezepten im Internet und eigene Vorstellungen aus der Erinerung gemischt. Mengenangaben halte ich sowieso nie ein, sondern mache das eher nach Gefühl.

Die fertige Mohinga, wohlschmeckende Mahlzeit

Man nehme einen Fisch, am besten Katzenwels oder ersatzweise Pangasius, den man hierzulande einfacher bekommt. Ein kompletter Fisch macht mehr Geschmack, ich nehme der Bequemlichkeit halber aber dennoch Filets. Die kommen in die Pfanne, mit Wasser bedeckt, dazu eine Stange Zitronengras, ein Stück Ingwer, eine Knoblauchzehe, alles flach geklopft. Eine Scheibe Limette gebe ich auch noch dazu und ein wenig Salz. Das ganze lasse ich dann erstmal köcheln für ein paar Stunden, um einen guten Fischsud zu bekommen.

Dann wird der Fisch herausgenommen und mit einer Gabel zerdrückt, er zerfällt quasi von alleine. Der Sud kommt durch ein Sieb in einen großen Topf, ich gebe noch Wasser dazu und rühre dann ein paar Esslöffel geröstetes Reismehl unter, das macht die Suppe etwas sämiger. Ein Teelöffel Garnelenpaste (Achtung, nichts für sensible Nasen) kommt dazu, ein paar kleine rote Zwiebeln in Spalten und etwas Frühlingszwiebelringe.

Nun das entscheidende: die Würzpaste. Dazu werden Knoblauch, Ingwer, ein Stängel Zitronengras, ein paar grüne Chili, zwei weitere Zwiebeln und einige Korinderblätter fein gehackt. Zusammen mit etwas Fischsoße wird das ganze dann mit dem Pürierstab zu einer Paste vermischt. In Sesamöl wird diese Paste ein paar Minuten angebraten. Dann wird der Fisch untergemengt und die entstandene Fisch-Gewürzpaste lasse ich noch ein paar Minuten braten, immer schön rühren. Das riecht schonmal gut.

Die Fischpaste kommt dann zur Suppe in den Topf. Als Alternative zu hartgekochten Eiern, die gerne dazu gereicht werden, mache ich es wie meine Garküche in Yangon: verquirlte Eier direkt in die Suppe einrühren. Dann kann das ganze noch eine Weile köcheln. Scheiben Bananenstamm müssten hier klassisch noch hinein, die waren aber nicht zu bekommen. Auch auf Kichererbsenbratlinge als Beilage muss ich dieses Mal verzichten, Kichererbsen wurden beim Einkauf leider vergessen.

Wichtige Beilagen: Schalotten und Knoblauch, knusprig geröstet, Koriander, Frühlingszwiebeln und getrocknete Chiliflocken

Jetzt müssen nur noch Reisnudeln gekocht werden und die Beilagen vorbereitet. Das Ergebnis schmeckt vorzüglich. Am besten wird mit Stäbchen und Löffel gegessen, so lassen sich die Nudeln am besten in den Griff bekommen.

Sättigungsbeilage: Reisnudeln (ich hätte die dünneren nehmen müssen)

Guten Appetit.