Sonntag, 22. Januar 2023

UXO

Im Nachgang noch ein Thema, mit dem ich mich zu Laos beschäftigte: UXO, Unexploded Ordnance, zu deutsch nicht explodierte Munition. Wie es sich machmal ergibt, kam ich in Vientiane mit einem Australier, der seit 20 Jahren im Land lebt, ins Gespräch. Der arbeitet für eine Firma, die Bomben aufspürt und vernichtet, gewerblich. Es ergab sich ein interessantes Gespräch beim Bier, der Mann wusste viel zu erzählen von den entlegendsten Landesteilen, die sich nur mit mehrtägigen Fußmärschen überhaupt erreichen lassen. Er war dort, überall, um die Hinterlassenschaften eines längst vergessenen Krieges aufzuspüren. Wann spricht man schon mal mit jemandem, der langjährig mit der Regierung, der UNO und anderen im Geschäft ist, von den politischen Hemmnissen und der teils zweifelhaften Rolle von UNO und NGOs zu berichten weiß und in seiner Liebe zur neuen Heimat und den Menschen dort an manchen Stellen schier verzweifeln mag. 

Man muss wissen, Laos ist das am meisten bombardierte Land der Welt, pro Kopf der Bevölkerung. Eigentlich wurde überhaupt kein Krieg gegen Laos geführt, ungünstiger Weise lagen aber die Transportwege des berüchtigten Ho-Chi-Minh-Pfades überwiegend im laotischen Bergland dicht an der langen Grenze zu Vietnam. Hier wurden Menschen und Material gen Süden transportiert und den Amrikanern gelang es nie, den Nachschub zu unterbinden. Auch nicht, indem man zwischen 1964 und 1973 zwei Millionen Tonnen Bomben auf das im Grunde nicht beteiligte Land abwarf. Das ist mehr als im ganzen zweiten Weltkrieg und darunter waren etwa 270 Millionen Streubomben. Davon liegen noch geschätzte 80 Millionen in der Landschaft herum, für jeden Bewohner des Landes also etwa zehn nicht explodierte Bomben. Die Landmienen, Artelleriegeschosse und sonstiges noch gar nicht mitgerechnet.

Kein Land hat ein dermaßen großes Problem mit Kriegshinterlassenschaften. Etwa 50.000 Menschen sind dem seit 1964 zum Opfer gefallen, die Verletzten sind ein Vielfaches und die meisten Opfer sind Kinder. Zum Glück liegt das meiste in unzugänglichen und kaum besiedelten Regionen, was aber andererseits die Beseitigung ebenfalls erschwert. 

Ein kleines Informationszentrum zum Thema in Vientiane kann ich leider nicht besuchen, da zu dem Zeitpunkt geschlossen. Hier ist jedenfalls eine Spende gut aufgehoben, meine ich. Die USA haben immerhin schon 2014 erstmals eingeräumt, überhaupt irgend etwas mit Bomben in Laos zu tun zu haben und beteiligen sich in jüngster Zeit finanziell an der Lösung.

Mehr dazu: http://www.nra.gov.la

 

Samstag, 21. Januar 2023

Smoking rooms around the world #11

Vientiane, Wattay Airport, Laos

Schrotten!

Eine Flugstunde und schon ist man wieder in einer anderen Welt. Die ist erst einmal heißer, feuchter, muffiger und lauter, Moloch Bangkok. Eine gute Stunde quäle ich mich mit der Blechlawine vom Flughafen zur Unterkunft in Banglampoo, das geht eigentlich noch.  

Zurück in der modernen Welt

Die verbleibende Zeit in Bangkok nutze ich für mehrere Besuche in Chinatown, vor allem zum Abendessen. Das benachbarte Little India, wo allerdings nicht mehr viel Indien geblieben ist, nehme ich auch noch mit. Die Hoffnung, dort einen gut sortierten Gewürzhändler zu finden, erfüllt sich leider nicht. Ein weiteres Ziel ist das südlich an Chinatown grenzende Viertel Talat Noi (= kleiner Markt). Diese Gegend ist hauptsächlich das Viertel der Schrott- und Autoteilhändler und Wiederaufbereiter, aber auch ein alter und teils chinesisch geprägter Stadtteil. Aufgewertet mit allerlei Wandmalerei, Graffitti und Straßenkunst gelangten die Gassen zu gewissen Bekanntheit, ein Geheimtipp ist Talat Noi im Instagram Zeitalter nicht mehr wirklich. Ich bin früh am Morgen dort und außer dem Alltagsleben ist nicht viel zu sehen, einzig eine "Bangkok mit dem Fahrrad" Gruppe radelt mir über den Weg. Fotomotive finde ich hier jedenfalls zu Hauf, das war ein ganz lohnender Ausflug.

Straßenszene

Streetart brachte eine gewisse Bekanntheit

Roter Hocker

Einblick

Einblick (2)

Schrott & Kunst

Gassenecke

Ray Ban

Heiliger Baum

... und noch ein heiliger Baum

Verrostet (ein Instagram Star)

Mitsubishi Electric

Mailbox

Bunter Wohnen

Achsen

Gegrillt wird auch

Rauchender

Über 200 Jahre altes chinesisches Kaufmannshaus

Motorteile aller Art

Liegen rum ...

... und werden fachgerecht verarbeitet

Alles in allem ist das ein Stück Bangkok wie aus einer anderen Zeit, auch nur einen Steinwurf entfernt von den Shopping Malls und Wolkenkratzern.

Auf dem Boot nach Chinatown

Redseeliger Mitfahrender

Eiermann in Chinatown

Typische alte Fassade, selten geworden

Am Markt

Pak Klong Blumenmarkt

Eisverkäuferin

Maximal geschützt

Gut informiert

Das chinesische Neujahr (22.01.) naht

Wenn abends keine Fähren mehr fahren, muss das Tuk-Tuk her

Ich hatte gar nicht damit gerechnet, in Bangkok noch viel zu fotografieren. Aber irgendwie lohnt es sich dann doch immer und zu sehen gibt es genug. Zwischenzeitlich heißt es nun aber wieder, Flip-Flops gegen Schal und Mütze tauschen. Bei lauschigen 32° bin ich in Bangkok gestartet, heute dann durch eine Winterlandschaft von Frankfurt nach Köln gefahren. Das sah allerdings zugegeben im Morgenlicht auch fantastisch aus. Schöne Ecken bietet die Welt überall, entdecken wir sie weiter.

Die Kip müssen weg

Schrittweise geht es zurück in das moderne Leben, zunächst noch einmal nach Vientiane. Hier ist es immer noch angenehm temperiert und kühlt nachts sogar auf knapp unter 20° ab. Große Pläne gibt es nicht mehr, außer an die Gemütlichkeit der Stadt angepasst noch ein wenig umher zu schlendern. Und natürlich die letzte Millionen zu verbraten, was unter anderem durch ein gediegenes Abendessen in einem alteinesessenem französischen Restaurant gelingt. Hat man anderenorts, etwa in Indien, immer das Problem, zu wenig Kleingeld zu haben, weil kein Mensch wechseln kann, ist es hier fast umgekehrt. Ich habe die Taschen dauernd voll mit Bündeln Papier, das kaum Gegenwert besitzt. Ich schaffe es dann auch einmal, ein Bier für umgerechnet 1,20 Euro mit 22 Scheinen zu bezahlen. 

Hübscher Ausblick im Abendlicht

Sundowner in einer Skybar geht immer

Auch wenn der Sonnenuntergang über dem Mekong mäßig spannend daherkommt

Einen Morgen stehe ich vor vier Uhr (!) auf, um den morgendlichen Rundgang der Mönche durch die Stadt zu verfolgen. Der findet hier wirklich in aller Herrgottsfrühe statt. Das hat den Vorteil, dass es kaum Verkehr gibt und die Stille nur vom Gesang der Mönche durchbrochen wird, die lautlos durch die Straßen huschen und Lebensmittel sammeln. Doch, dass muss man noch einmal erlebt haben. Den bedeutendsten Klöstern rund um meine Unterkunft statte ich auch noch einmal Besuche ab.

Frühmorgens

Hier sieht man wieder, warum entspiegelte Brillen wichtig sind

Mönche werden herbeigebracht

... und eine größere Zeremonie abgehalten (was genau, konnte ich nicht herausfinden)

Morgendliche Tempelpflege

Vor dem Kloster noch einmal ein Oldtimer

Den ebenfalls früh beginnenden "Frischmarkt" des Viertels besuche ich ebenfalls noch, Märkte sind eigentlich immer nett. 

Das könnte Gans lecker sein

Wenn Märkte früh beginnen, liegt ein Nickerchen nahe

Trubel ist gegeben

Schampoo gibt's auch

Doppelt behütet hält besser

Die Zeit verfliegt und die letzten Tage sind angenehm unaufregend, das hat auch seinen Reiz. Ich darf netter Weise auch später auschecken, mein Flug geht erst am Nachmittag und früh da sein muss man am hiesigen Flughafen auch nicht. Aber anstehen und eine Bordkarte in Papierform holen muss man dann doch, trotz online Check-in. Das verstehe wer will, der Passmann braucht halt was zum Abstempeln und Stempel auf dem Handy würden sich auch nicht gut machen.

Der Flughafen ist stadtnah mit dem Tuk-Tuk zu erreichen

Abends noch einmal Uferpromenade

Hier gibt es Lose

... und hier Seifenblasen

 Möge das gelingen