Sonntag, 9. Juli 2017

Und hinter den Bananen hockt der Fernsehkoch

Mit geringfügigem Verzug hier noch ein letzter Beitrag zu La Palma. Als Fazit halte ich fest, die Insel hat meine Erwartung erfüllt: viel Landschaft, viel Ruhe, nichts wirklich Spektakuläres aber doch ausreichend Potential für Entdeckungen, schöne Aussichten und Eindrücke. Die steilen Berglandschaften rund um die riesige Caldera und die schroffe, von Barancos, den Schuchten, durchzogene Küste hat mir gut gefallen.

Wanderung zum Lomo de las Chozas
Mit schönen Blicken in die Caldera
Einzug der Passatwolken

Interessante Rastplätze habe ich auch überall auf der Insel gefunden. Die einfachen Lokale, hier Kiosk genannt, bieten dabei bodenständiges und meist gutes Essen. Touristischer Rummel ist dabei meist nicht vorhanden, den muss man ohnehin suchen auf der Insel.

Putzig: Puerto Naos, die hiesige Version des Massentourismus

Das liegt wohl an den kaum vorhandenen Stränden. Unweit des Haupturlaubsortes Puerto Naos findet man versteckte Buchten, die erst nach einer längeren Zickzackfahrt quer durch die Bananenplantagen erreicht werden, folgt man den eher unscheinbaren Hinweisen. In einer dieser Buchten wartet ein kleiner Kiosk am Merr auf Besucher. Die Besonderheit: hier kocht ein (in Spanien) bekannter Fernsehkoch und zaubert in der kleinen Bude die wohl beste Aioli, die ich bisher auftreiben konnte. Mit den kleinen frischen Tintenfischen war das einfach ein Fest. Die Saucen, Mojo, sind ja ohnehin Herz der Kanarischen Küche. Hier werde selbst ich zum Kartoffelfan, die kleinen schrumpeligen Salzkartoffeln mit grüner oder pikanter roter Sauce reichen schon fast als Mahlzeit aus. Die typischen Saucen Mojo verde und picon habe ich mir auch mitgebracht vom Bauernmarkt, verfeinert mit Mandeln.

Einsame Badebucht
Lohnt den Besuch alleine schon wegen dem Kiosk des Fernsehkochs
Auch sonst sind Kioske eine feine Angelegenheit, hier gab es Papageienfisch
Noch schlichter als Kioske ist die Autobar, immer gut für einen Café cortado

Was zum Abschluss nicht fehlen darf: ein Blick in die Sterne. Die waren oberhalb der Wolken in größerer Höhe zu entdecken, dafür wie erwartet zahlreich. Die passenden Aussichtspunkte sind nicht so zahlreich und zugänglich wie auf Teneriffa, letztlich habe ich nur eine Nacht teils in den Bergen verbracht. Bei Sonnenuntergang gab es dort mächtig Mückenalarm, in über 2.000 Metern Höhe, auch erstaunlich.

Milchstraße über dem Roque de los Muchachos

Donnerstag, 22. Juni 2017

Drachen und Kaffee beim letzten Hippie

Drachenbäume sind eine Spezialität der Kanaren, denn sie wachsen nur hier. Den Ureinwohnern galt der Baum als zauberkräftig, später wurde aus dem roten Saft des Stammes Farbe gewonnen (wie auch aus der Schildlaus, die den Grundstoff für Purpur ergab und teils heute noch von den Feigenkakteen gesammelt wird, wenngleich der Wert abhanden gekommen ist). Hübsch anzusehen sind sie allemal und auf La Palma sieht man viele der teils jahrhunderte alten Bäume in die Landschaft drapiert.

Jeder sollte einen haben: der für mich zuständige Drachenbaum auf dem angrenzenden Grundstück
Unter dem alten Drachen
... hat man Ausblick auf "mein" Dorf
Eine ungewöhnlich große Ansammlung von Drachenbäumen

Nicht nur der Drachenbäume wegen bewege ich mich entlang der Nordküste, die von tiefen Schluchten durchzogen und größtenteils eher unzugänglich ist. Der Weiler Santo Domingo de Garafia, trotz des klangvollen Namens nur eine Ansammlung weniger Häuser, ist einer der letzten im Norden erreichbaren Orte. Dort erhalte ich übrigens den meiner Meinung nach weltbesten Queso assado, gegrillten Schafskäse mit grüner Sauce. Ich bestelle eine Portion statt der Tapa-Variante, unaufessbar, schmeckt super aber ist nicht zu schaffen. Anschließend muss ich mich wieder daran gewöhnen, dass man einen Kaffee hier immer noch für 80 Cent bekommt.

Auf der Plaza von Santo Domingo sitzt es sich schattig unter alten Lorbeerbäumen

Das Salz des Reisens ist ja immer das Ungeplante, Unvorhersehbare, die zufällige Begegnung, wenn man offen dafür ist und sich einlässt. In Santo Domingo gewinne ich den Eindruck, dass sich hier die Sammelstation für Althippies befindet. In der Bar ein fellgewandes Päärchen, später gesellt sich ein älterer Waldschrat unter den Lorbeerbaum auf ein Bier. Den treffe ich später wieder, als ich vom Aussichtspunkt einen Blick in die "Schlucht des Lichtes" werfe. Wie es sich fügt, kommen wir ins Gespräch. Morgen (den Spitznamen erhielt er von einem Deutschen weil er ein Morgenmensch ist) entpuppt sich als kauziger Ire Mitte 60, der seit zehn Jahren hier auf der Insel lebt und gerade seit einem Monat die Rente durch hat. Vorher lebte er überwiegend von der Trommelherstellung aus Palmholz und was sich sonst so findet, viel rumgekommen ist er außerdem. Auf Teneriffa lebte er eine Weile, ebenso auf Korsika, wo er seinerzeit wegen Tschernobyl abgehauen ist - Entfernung zu Russland gewinnen.

Ob er mich auf einen Kaffee zu sich nach Hause einladen darf? Sein Zuhause befindet sich ein paar Schluchten weiter, in der Schlucht, in einer Höhle. Zu Fuss ein ordentlicher Marsch, zumal der Rucksack prall gefüllt ist mit Einkäufen, der Zweck seines Dorfbesuchs. Da ist der Autotransport willkommen und ich bin neugierig, win-win Situation. Über eine schmale Straße verlassen wir also gemeinsam Santo Domingo, eine Schlucht runter, wieder rauf, ab in die nächste Schlucht. Irgendwann gibt es dann nur noch Schotterpiste, eng, steil, kurvenreich, ich erinnere mich an Namibia: difficult roads often lead to beautiful destinations, so stand es dort auf einem Schild geschrieben. Mitten im Nichts dann Parken am Rande der Piste. Nun geht es nur zu Fuß weiter (der ganze Weg bis hier mit Gepäck, Hut ab, der Mann ist in Form). Über unsichtbare Pfade durch Gestrüpp und Kakteen geht es weiter bergauf, bergab, über Mäuerchen und Felsen. Ich vergewissere mich der Eskorte für den Rückweg, sonst finde ich mein Auto hier so schnell nicht wieder.

Weiter unten in der Schlucht, unter einem großen Drachenbaum (!) und hinter Palmen erreichen wir dann Morgens Anwesen: eine Dreieinhalb-Höhlen Behausung mit Garten und eigener Quelle. In den zahlreichen Höhlen, die sich in jeder Schlucht befinden, lebten schon die Ureinwohner. Und ungefähr mit gleichem Standard macht Morgen dass seit zehn Jahren, Bedürfnislosigkeit die immer wieder erstaunt.

In der Schlucht, noch ist nicht viel von Höhlen zu sehen

Hier erkennt man es schon hinter den Palmen

Auf mehrere Höhlen sind Küche mit Feuerstelle und Gaskocher, Schlafzimmer, Bad mit Quellwasser und eine wetterabgewandte "Winterhöhle" mit Bett und unzähligen Büchern verteilt. Wo hat man so etwas schon, beeindruckend, wenngleich ich nicht so wohnen wollen würde. Der Garten gibt allerlei her, Avocados, Zwiebeln, Kartoffeln sowie Feigen und Datteln. Selbst eigener Tabak wächst hier und eine kleine Menge illegaler Beimischung. Dazu gekauft im Dorf wird Kaffee, Müsli und zur Feier des Tages ein paar Dosen Bier. Da er das Gelände kultiviert und nicht weiter stört, haben sich die Behörden arrangiert, leben und leben lassen.

Höhlenwohnung, im Laufe der Jahre gestaltet
Der zugesagte Kaffee wird zubereitet
Im beliebig erweiterbaren Garten

Beim Kaffee gibt es noch allerlei zu erzählen. Morgen überlegt, jetzt als Rentner, mal wieder einen Tapetenwechsel, Neuseeland vielleicht. Wo auch immer, wer wenig braucht, wird überall zufrieden. Ich freue mich über das Erlebnis, die kennen gelernte Facette des Insellebens, von der wahrscheinlich wenige ahnen. Toller Tag.

Dienstag, 20. Juni 2017

Puros, Flor de Sal und alles Banane

Nach der Eroberung durch Spanien hatte La Palma eine Weile lang gute Zeiten. Man war die letzte Raststätte vor der Atlantiküberquerung und auf der Handelsroute Amerika - Europa (die ja eher einseitig verlief zunächst) hielt hier jeder an, jeder. Das Prinzip Serways brachte Wohlstand, bis dummerweise der große Rasthof nach Teneriffa verlegt wurde. Um für La Palma überhaupt noch irgend eine Verwendung zu finden, Tourismus war seinerzeit nicht so in Mode, setzte man auf Monokulturen. Zuerst kam das Zuckerrohr, das passt hier klimatisch prima hin. Irgendwann wollte niemand mehr so recht von Zuckerrohr hören und eine nennenswerte Rumproduktion kam meines Wissens auch nicht auf. Also weg mit dem Zeug, was Neues muss her.

Das Ergebnis des Portfoliowechsels sieht man heute auf jedem Stück Erde, das einigermaßen eben ist: Bananen. Wo man auch hin kommt, die Bananen sind schon da und noch allgegenwärtiger als auf Teneriffa. Reich wird man damit auch nicht, dafür sorgen schon die großen amerikanischen Konzerne, die den Weltbananenmarkt beherrrschen, auch in der EU. Blöderweise sind Bananen von den Kanaren einfach teurer und nicht so hochgezüchtet wie die Schwestern aus Mittelamerika. Also rackert man sich ab für Appel und Ei, denn Bananenaufzucht ist Handarbeit und ein Kochenjob.

Bananenblüten sind immer eine Augenweide
Tazacorte ist ein Zentrum der Bananenproduktion
Schmackhaft sind sie, aber wenig gewinnbringend
Plantagen mit Terassenanbau sieht man überall

Noch vor den Bananen brachten rückkehrende Auswanderer - die Not trieb viele von den Kanaren unter anderem in die Karibik - aus Kuba den Tabak mit. La Palma entwickelte zu dem Zentrum europäischer Zigarrenherstellung. Die hiesigen "Puros", in Handarbeit außschließlich aus Tabak von der Insel gerollt, gelten unter Zigarrenkennern als den Havannas fast ebenbürtig. Wo sollte ich an meinem Geburtstag passender hinfahren als nach San Pedro, dem Ort der zugleich Zentrum der Tabakerzeugung ist. Ich statte dem Tabakfarmer El Sitio einen Besuch ab, einem der letzten Betriebe für handgefertigte Zigarren. Man merkt schon, auch das ist eher ein Nischengeschäft und bescherte der Insel auch keinen echten Reichtum.

Da wächst er, der Tabak
Zu trocken darf es nicht werden, dauert dennoch eine Weile
Dann wird gerollt, was das Zeug hält, 300 Stück am Tag
Fast fertig
Und so geht's in den Verkauf

Ich lasse mich dazu hinreißen, ein paar der dünneren Exemplare zu erwerben und zur Feier des Tages auch gleich mal eine anzuzünden. Naja, meins wird das wohl nicht werden. Da sind mir andere Produkte der hiesigen Landwirtschaft leiber, etwa die hervorragenden Schafs- und Ziegenkäse. Damit habe ich mich Sonntag auf dem Markt - alles Bio - erstmal eingedeckt.

Eine weitere Produktionsstätte musste ich mir unbedingt ansehen, auch wenn sie werder einzigartig noch unbeding tinseltypisch ist. Die Südspitze La Palmas besteht hauptsächlich aus schwarzer Lava, Ergebnis des letzten Vulkanausbruchs. Am Rande der Mondlandschaft findet man (außer Bananen, versteht sich) die einzige noch betriebene und sehr alte Saline La Palmas. Hier wird nach wie vor wie seit Jahrhunderen Meersalz in Handarbeit hergestellt. Dank des Tourismus trägt sich das weiter und das Salz, besonders das erlesene Flor de Sal, ist von bester Qualität.

Hübsch gelegen
Salziger Süden
Kontrastprogramm: Salz & Lava
Wieder in meiner Casa
Den Zitronen beim Wachsen zuschauen

Sonntag, 18. Juni 2017

Das ist ja der Gipfel

Der Gipfel heißt hier Roque de los Muchachos und ist rund 2.400 Meter hoch. 20 Kilometer sind es von meiner knarrenden alten Haustür bis dort, ein Katzensprung. Auf den 20 Kilometern gilt es allerdings nicht nur Wolkendecke und Baumgrenze zu durchdringen, sondern auch etwa 2.000 Höhenmeter zu überwinden, Haarnadelkurven satt, Halleluja, für die Strecke ist dann auch eine Stunde zu veranschlagen.

Unten "bei mir" ist es bisher immer wolkenverhangen, teilweise sogar nebelig, da ich gerade am unteren Ende der Wolkenschicht wohne. Schon ein paar hundert Meter höher nach dichter Wolkensuppe und märchenhaften Nebelwäldern ist dann - zack - blauer Himmel. Die Sonne röstet hier ganz schön, stelle ich fest. Ich fahre durch großartige Vulkanlandschaft übersäht mit blühenden Büschen. Hier hat man sich eindeutig für die Farbe gelb entschieden, teilweise so gelb, dass es fast weh tut.

Mitten im Gelb: riesige Spiegelteleskope

Rund um den Roque de los Muchachos ist das Obersavatorium gelegen, das wichtigste in Europa. Bis vor kurzen stand hier das größte Teleskop der Welt, mittlerweile hat Chile hier die Nase vorn. Nachts ist die Straße hier gesperrt und jedes Licht verboten. Die Spiegelteleskope sind angeblich so empfindlich, dass sie theoretisch das Licht eines in Australien fahrenden Autos messen könnten.

Das größte Teleskop, über den Wolken

Vom Gipfel gibt es tolle Ausblicke, einerseits über das Observatorium, in die andere Richtung in den riesigen Krater der Caldera de Taburiente. Der Krater des "Urvulkans" der Insel gehört zu den größten der Welt und umfasst einen guten Teil der Inselfläche.

Wolkengefüllte Caldera
Hanglage: Blick auf Teile des Observatoriums
Man sieht nur Teile der Kraterwand als Inseln im Wolkenmeer
Praktisch: der Roque de los Muchachos verfügt über einen Drive-in Gipfel

Die Gegend habe ich ausgiebig erkundet, vor allem im Hinblick auf nachts befahrbare Strecken um beizeiten den Sternenhimmel anzuschauen. Das ein oder andere Mal werde ich da sicher noch rauf fahren.

Als nächstes besteige ich den Krater des San Antonio an der Südspitze der Insel. Der ist nicht unheimlich spektakulär und auch nicht besonders hoch mit seinen knapp 700 Metern, eröffnet aber einen schönen Ausblick. Hier schaut man auf den jüngsten Vulkan der Insel, der Teneguía entstand erst 1971 mit dem letzten Ausbruch auf den Kanaren.

Blick auf die Südspitze mit "Jungvulkan"
Krater des San Antonio

Unterhalb fährt man durch öde schwarze Lavalandschaft des letzten Ausbruchs, dann durch endlose Bananenplantagen die hier offenbar bestens gedeihen, ein hübscher Kontrast.

Großartig, Sonntagmorgen und hier scheint gerade tatsächlich die Sonne, ich sehe blauen Himmel auf der Terasse. Das ist mir noch einen Orangensaft wert, bevor ich gleich zum Bauernmarkt im nahe gelegenen Puntagorda fahre.

Freitag, 16. Juni 2017

La Bamba und ein Fremder in El Paso

Mit wenig Schlaf im Gepäck und leicht zerknautscht stehe ich morgens um vier am Schalter im Flughafen Düsseldorf. In einer langen Schlange. Die Schlage beinhaltet ansonsten hauptsächlich Insassen der vier Flüge, die an diesem morgen um sechs nach Mallorca abheben. Fußballvereine, Kegelclubs, Junggesellenabschiede und "Mutter-Tochter-Touren", alle in passenden Mottoshirts und weiteren Accesoirs ausgestattet (populär: Schwimmflügel). Die um mich herum wabernde Masse ist schwer alkoholisiert, auf einem der Ghettoblaster läuft in Endlosschleife das lautstark mitgegröhlte "La Bamba", Damen ein paar Meter weiter kreischen "vamos a la playa" entgegen. Ist das die abendländische Kultur, die der ein oder andere bedroht sieht? Man weiß es nicht, aber es gibt Zweifel.Nüchtern und mitten in der Nacht ist es jedenfalls eine harte Dosis, die erst mit Einstieg in meinen Flieger (überwiegend Senioren, die leise sind) endet. Da ich die komplette hinterste Sitzreihe für mich habe, tritt schnell erlösender Schlaf ein.

Am überschaubaren Flughafen von La Palma übernehme ich mein Auto. Ich gönnte mir einen leistungsstarken SUV (schlimm, eigentlich), der mich geschmeidig durch die kurvenreichen und steilen Straßen der Insel befördern soll. Dass tut der dann auch klaglos. Der Westen der Insel ist von vielen steilen Schluchten durchzogen und als erstes muss die Vulkankette, die La Palma von Nord nach Süd teilt, überquert werden. Es geht also immer bergauf / -ab, und mehr als 50 Meter geradeaus eigentlich nie. Für die 70 Kilometer zum Ziel sind eineinhalb Stunden zu veranschlagen. Dann erreiche ich mein Domizil in El Roque (den Ohrwurm "ich Roque" werde ich gerade nicht mehr los). Verdammt, ich wohne direkt an der Hauptstraße von El Roque. Diese entpuppt sich allerdings als schmaler Pfad, alle Jubeljahre fährt hier mal ein Auto.

Hauptstraße: links Terasse, rechts mein Haus

Hier habe ich ein an die 200 Jahre altes kanarisches Bauernhaus gemietet und werde empfangen von der fleißig reinigenden Marisol. Marisol spricht perfekt Spanisch, im Gegensatz zu mir, aber irgendwie versteht man sich (ich sie besser als umgekehrt, aber das passt schon). Das alte Gemäuer ist urig und man gab sich wirklich Mühe: frische Blumen auf den Tischen, ein großer Obstkorb, Wein steht bereit, es fehlt an nichts. Viel Platz ist vorhanden, eine Terasse vor dem Schlafzimmer und eine zweite auf der anderen Seite der "Hauptstraße", alles umgeben von blühender Landschaft, was will man mehr. Am Baum vor der Terasse hängen die dicksten Zitronen, die ich je sah und die Umgebungsgeräusche sind geprägt von Insekten, Hühnern, Ziegen, einem Hund. Mit der für mich zuständigen Katze habe ich mich auch schon arrangiert und mein Haus zur no-go Area erklärt.

Typisch La Palma: parken unter Palmen

Szenenwechsel, nachmittags. Ein Fremder kommt nach El Paso, während dunkle Wolken aufziehen. Ein Satz wie aus einem Italo-Western, doch ich komme nicht zum Showdown, sondern um hemmungslos den Hiper Dino zu plündern, den hier ansässigen großen Supermarkt. Es Paso (der Pass) unterhalb der großen Vulkankette ist ein verschlafenes Kaff, bietet aber die umfangreichste Einkaufsmöglichkeit weit und breit. Der Großeinkauf sichert die Grundbedürfnisse für die nächste Woche, mit den kleinen Läden und Bauernmärkten in naher Umgebung sollte ich dann klarkommen für den Rest.

El Paso

Dank elektrischer Saftpresse (Sachen gibt es hier) und hohem Orangenaufkommen auf der Insel gibt es leckeren Saft während des Schreibens. Angenehm temperiert ist es auch, wenngleich Passatwolken häufig die Sonne verschwinden lassen unterhalb von etwa 800 Metern. Nicht umsonst ist es hier üppig grün, Feuchtigkeit fehlt nicht.

Samstag, 3. Juni 2017

La Isla bonita

Viel besungen wird die schöne Insel:



...doch nur wenige kennen sie. Bei der Schönen handelt es sich um die auch Isla verde, die grüne Insel, genannte Kanareninsel La Palma. Die liegt weit im Westen, ist relativ klein und wird weniger von Sonnenhungrigen geflutet als ihre großen Schwestern Teneriffa & co. Gemessen an der Fläche und dem bis 2500 Meter aufragenden Vulkankrater gilt sie auch als die steilste Insel der Welt noch vor Hawaii.

Was ich dort erwarte ist viel Landschaft, ein altes Häuschen als Bleibe und einen Sternenhimmel, der noch einmal besser sein sollte als auf Teneriffa. Denn auch La Palma ist Lichtschutzgebiet, aber noch "dunkler" und beheimatet das wichtigste Observatorium Europas. Ich werde dort eine gute Woche verbringen und mit viel Muße der Zeitrafferfotografie nachgehen, so ist der Plan. Sollte die zugesagte Wifi-Versorgung in meinem abgelegenen Ferienhaus tatsächlich funktionieren, schreibe ich hier vielleicht auch ein bischen.

Sonntag, 22. Januar 2017

Reisebericht

Mein Freund und langjähriger Reisepartner Christian hat nun im schweizer Namibiaforum, der einschlägigen deutschsprachigen Informationsquelle, einen Reisebericht geschrieben. Der fasst es gut zusammen und erspart mir, hier dasselbe nochmal selbst zu schreiben.

Sundowner mit Giraffe

Freitag, 20. Januar 2017

Materialschlacht

Von unterwegs im Busch gab es leider keine Live-Nachrichten, mangels Internetverbindung meist. Drei Wochen ohne moderne Kommunikation haben auch ihren Reiz, dafür Weite und Ruhe, auch das ist schön.

Von unseren 70 Kilo Gepäck war wahrscheinlich mehr als die Hälfte Fotoausrüstung. Unterwegs mit dem Auto war nicht nötig, sich zu bescheiden und so waren alleine neun Kameras und eben so viele Stative mit an Bord. Dazu Drohne, Slider und voluminöse Teleobjektive, Laptops und Festplatten, das läppert sich. Als wir am Ende in Windhoek unser Gepäck für's Flugzeug geschnürt haben, mussten wir den ganzen Krempel einfach mal im Bild festhalten:

Darf's ein Kilo mehr sein?

Selten war das Equipment derart verstaubt nach einer Reise, aber alles kam unbeschadet Heim. Diverse technische Probleme waren lästig, haben sich aber alle lösen lassen und die Stromversorgung hat auch funktioniert. Für die Drohne hieß es stellenweise: Flugverbot, im Etosha Natinalpark wurde gar der Koffer verplombt. Unser Ansinnen war auch nicht, Tiere zu belästigen, einige eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen sind natürlich entstanden.

Zelten unterm Regenbogen

In der Wahl der Route, die wir am Ende noch ein bischen umgeworfen haben, haben wir denke ich ein gutes Händchen bewiesen. Die Etappen waren alle gut zu fahren und es blieb genug Zeit für Erholung. Die landschaftlich interessantesten Gegenden haben wir zu einem guten Teil eingebaut. Neben manchmal doch recht eintönigen Fahrstrecken - links Zäune, rechts Zäune, links Büsche, rechts Büsche, dazu eine Millionen Termitenhügel und 50 Kilometer geradeaus - gab es viel Interessantes zu sehen. Die erste Afrika-Reise war alles in Allem ein Erfolg, auch wenn das Gefühl "da muss ich unbedingt immer wieder hin" sich nicht einstellte.

Immer dabei: Staub

Die Reisezeit, afrikanischer Hochsommer, als sich als durchaus positiv herausgestellt. Allzu viel los war nicht trotz der Sommerferien. Die Temperaturen dürften sich gegen 40° bewegt haben, was aber angesichts der trockenen Luft und des fast immer wehenden Windes sehr erträglich war. Abends ließ sich gemütlich am Grillfeuer sitzen, einmal kamen dabei sogar Fleecejacken zum Einsatz in den Bergen. Regen gab es fast nie, auch wenn es zuvor im Etosha wohl schon ordentlich geregnet hat und die Tierdichte dadurch eher eingeschränkt war. Zu sehen gab es genug.

Wozu kauft man eigentlich ein Supertele, wenn die Viecher dann driekt neben dem Auto liegen?

Jetzt heißt es, viel Foto- und Videomaterial zurechtbasteln und dann wird es einen hoffentliche Interessanten Eindruck von Namibia geben.