Montag, 13. Januar 2020

Mehr vom Meer

Geruhsame Tage sind angesagt. Der Strand von Ngapali ist nach wie vor überschaubar besucht, lädt dazu ein, es ruhig angehen zu lassen und bietet haufenweise leckeres aus dem Meer.

Da geh ich mal eine Weile vor Anker

Dank findiger Chinesen, bei denen Elektromobilität längst alltagstauglich ist, kann ich in Ngapali ein batteriebetriebenes Motorrad mieten. Die hiesigen sind besser als die zuletzt in Bagan, sogar mit Spiegeln ausgestattet und einem dritten Gang, der bis zu rasanten 70 km/h ermöglicht. Macht Spass. Und damit kann ich die Umgebung gut erkunden, einen Ausflug ins Provinzhauptstädtchen Thandwe und zu diversen Fischerdörfern unternehmen. 

Behütet in Thandwe
Schwerverkehr ...
... am hiesigen Flüsschen
Morgenlandschaft
Schwarzkopf

So komme ich auch mal zur anderen Seite der Bucht, zum dortigen recht urigen Fischerdorf und einen Hügel hoch mit guter Aussicht. Dort suche ich mal wieder den Barbier auf. Leider ist die Erfindung des Rasierschaums nach wie vor dieser Gegend verborgen geblieben, das hatte ich vor 15 Jahrn schon. Gefühlt erhalte ich eine Trockenrasur mit einem Schweizer Taschenmesser, das könnte jedenfalls kaum weniger geschmeidig sein. Egal, der Bart ist ab.
Weiter nach Norden finden sich noch Dörfer und völlig einsame Strände jenseits des kleinen Flughafens.

Flugbetrieb zum Anfassen
Fischereiflotte am Morgen
Schöne Buchten ...
... mit urigen Dörfern
Palmenmangel herrscht nicht
Grundschule in Premium-Lage
Gute Vernetzung ist wichtig
Der Barbier des Grauens

Samstag, 11. Januar 2020

Zwischenstop

Zwei Nächte habe ich Aufenthalt in Yangon. Im City Star Hotel habe ich nach zig Aufenthalten inzwischen VIP Status, was auch immer lustig ist. Ich nutze den Tag für einen morgentlichen Besuch der Shwedagon Pagode (geht immer).

Ray Ban
Segne diese Gaben

Von dort spaziere dann von dort Richtung Kandawgyi See. Dort war ich noch nie. Unterhalb des östlichen Aufgangs durchquert man ein Marktviertel mit Mönchsbedarf und es geht vorüber an einigen Klöstern. Der Kandawgyi See bietet viel Grün, flanieren im Park ist auch mal nett. Ansonsten wird hier mächtig gebaut, es entsteht unter anderem ein Aquarium und die schadhaften Holzbrücken und -stege werden erneuert. Am anderen Ende des Sees suche ich die Dachbar eines Hotels auf, extra für den sich dort bietenden Blick über den See auf die Pagode. Das muss abends auch nicht schlecht sein, vielleicht fahre ich nochmal hin.

Boutique für den modebwussten Mönch
Nebst Accesoires
Kandawgyi Lake

Weiter geht es an den Strand. Mein Handy sagt, dass ich in den letzten zwei Wochen 150 Kilometer zu Fuß gelaufen bin, davon sicher ein erheblicher Anteil Hügel und Treppen. Es schadet also nicht, ein paar Tage die Füße hochzulegen und es sich einfach gut gehen zu lassen.  

90 Down

Die Rückfahrt nach Yangon plane ich, mit dem Zug zu unternehmen. Die Informationen darüber, wie weit im Voraus man Fahrkarten erwerben kann oder gar muss, gehen auseinander. Da der Bahnhof ungünstig abseits leigt jenseits des Tempelhügels, frage ich im Hotel hinsichtlich der Fahrkartenbeschaffung. Man sagt zu, sich zu erkundigen und am Abend versichert der Manager persönlich: "I'll try my very best!" Was soll da noch schief gehen. Am nächsten Tag überreicht man mir dann auch die Fahrkarte. Zug 90 Down, acht Uhr geht es los und für die erste Klasse muss ich stolze 2,50 Euro berappen. Das Hotel nimmt nicht einmal einen Aufpreis für's Besorgen, sehr nett.

Mr. Peter darf Zugfahren

Die geplante Fahrzeit beträgt 10 Stunden, 10 Minuten für die ziemlich genau 300 Kilometer bis Yangon. Myanmar Railways zählt wahrscheinlich zu den langsamsten Bahnsystemen der Welt, hier ächzt koloniales Material des Weges. Sicher, eine Busfahrt wäre schneller, aber Zugfahren ist einfach netter finde ich und man kann herumlaufen, wenn man möchte.

Rechtzeitig finde ich mich des Morgens am Bahnhof ein, die Sonne kämpft sich gerade durch den Morgennebel. Der Bahnhof wirkt leicht überdimensioniert, es herrscht außerdem totale Gelassenheit und Ruhe, kein Vergleich mit indischen Bahnhöfen. Es geht ja auch nur ein Zug, meiner. Der steht bereit, die Wagen nach einem für mich undurchschaubaren System (sofern es eines gibt) aneinander gereiht, Ordinary und Upper Class bunt gemischt, die Wagennummern leider nur auf burmesisch verfügbar. Natürlich weist ein hilfreicher Bahnbediensteter den Weg.

Im Morgenlicht ist der Bahnhof erreicht
Mein Zug steht bereit
Mitreisende sind auch vorhanden
Casual wear
Interessante Fahrgäste
Wagen 3 ist meiner


Vorsorglich hatte ich mich mit Wasser, Obst und Snacks eingedeckt, wobei es natürlich reichlich im Zug zu kaufen gibt. Zumindest auf der ersten Hälfte der Fahrt kommen im Minutentakt fliegende Händler durch die Waggons und bieten allerlei Leckereien feil. Man kann sogar, wie ich nach einiger Zeit herausfinde, bei einigen mit Schreibblock umhereilenden Herren komplette Mahlzeiten bestellen, die dann am mittags erreichten Bahnhof frisch gekocht angeliefert werden. Ich halte mich an die diversen Kleinigkeiten, auch damit kommt man gut über den Tag. Verspürt man das spontane Bedürfnis, für einen Pagodenneubau zu spenden oder ein Wundermittel gegen oder für alles von der Zugfahrt mit Heim zu bringen, finden sich auch dafür mobile Ansprechpartner.

U-Zina Pagode im Morgennebel
Kyeik Tan Lan im Vorüberfahren
Mobile Essensversorgung

Gemächlich und schwankend ruckelt der Zug durch die Lande. Reisfelder reihen sich an Reisfelder und dazwischen Dörfer, die noch genau so aussehen wie zu Orwells Zeiten, denkt man sich Mopeds und Satellitenschüsseln von den mit Palmblättern gedeckten Holzhäusern weg. Gegen Mittag wird es langsam heiß und man freut sich, wenn der Zug fahrtwinderzeugende Geschwindigkeit aufnimmt. Zwischendurch kann man in den offenen Türen sitzen und rauchen, während das ländliche Myanmar vorbeizieht. Außerdem spaziere ich durch die schwankenden Waggons und sehe mich ein bischen um, andere Ausländer kann ich nicht entdecken an Bord. Eine ansprechende Art, zu Reisen, die einem auch den Sinn für Entfernungen wiedergibt. Ab Bago kenne ich die Strecke, die hier wieder besonders holprig wird. Man baut zwar mehrspurig mit neuen Gleisen aus, einstweilen hoppelt der Zug aber noch der untergehenden Sonne entgegen.

Ländliches Myanmar
Wie vor 100 Jahren
Am sitzenden Buddha nahe des Goldenen Felsens kommen wir auch wieder vorbei
Nickerchen in der Holzklasse

Yangon erreichen wir dann letzlich nach knapp elfeinhalb Stunden, was ich durchaus eine vertretbare Verspätung finde. Eile habe ich ohnehin nicht, da außer einem Abendessen nichts mehr auf dem Programm steht.

Freitag, 10. Januar 2020

Barfuß auf der Baustelle

Im Sommer besuchte ich den großen liegenden Buddha bei Monywa im Norden des Landes. Es geht noch mehr, der weltweit größte liegt in der Nähe von Mawlamyaing in Mudon, und dort hin mache ich einen kleinen Ausflug. 180 Meter misst die Statue und sie verfügt über acht begehbare Stockwerke. Die (vielen!) Treppen hoch zur Statue und natürlich auch das Innere des Buddha sind barfuß zu begehen. Ganz fertig wurde das gigantische Bauwerk bisher nicht und was fertig ist, bröckelt bereits wieder restaurierungsbedüftig vor sich hin. Je höher man im Inneren der Stutue aufsteigt, desto mehr hat das ganze Rohbaucharakter und man muss aufpassen, wo man hintritt. Die einzelnen Stockwerke sind mit Wandgemälden und Skulpturen ausgestattet, die allerlei über das Leben Buddhas und den Glauben vermitteln. Die Gänge im Inneren sind halbwegs düster und unfertig, das ganze mutet schon recht bizzar an. Obwohl die eine noch nicht fertig ist, hat man auf dem gegenüberliegenden Hügel indes mit dem Bau einer zweiten, noch größeren Statue begonnen, auch hier modert der Rohbau mehr oder weniger vor sich hin.

Am fertigen Gebäudeteil wird schon wieder mächtig restauriert
Buddha and me
Der Trend geht zur Zweitstatue
Auch in der buddhistischen Hölle geht es wohl finster zu
Barfuss auf der Baustelle
Der Hund ist hier (noch) nicht begraben
 
Ein skurrieler und interessanter Ausflug war dies. Ich bin letztlich froh, das nicht das ganze Teil zusammengestürzt ist, zumal angeblich für den Bau kein Architekt bemüht wurde. Sehen und staunen ...

Wie spricht man das eigentlich aus?

Die Engländer nannten die Stadt schlicht Moulmein, der burmesische Name wird unterschiedlich transskribiert, Mawlamyaing oder Mawlamyine, aber wie spricht man das richtig aus? Mittlerweile weiß ich, es heiß Mò-Là-Mín, geht doch. Es ist immerhin die drittgrößte Stadt im Lande und Hauptstadt des Mon State. Und es ist eine wie ich finde sehr sympathische Stadt, in der sich gut einige Tage verweilen lässt. Die Zeit verging wie im Fluge, daher hänge ich hier auch etwas hinterher mit dem Schreiben (an so einem Beitrag inklusive Überspielen, Sichten und Bearbeiten von Fotos sitzt man schon mal ein paar Stunden, und es soll ja nicht stressen im Urlaub).

Parallel zum Than Lwin verlaufen die Uferpromenade Strandroad, die Lower und die Upper Mainstreet. Zwischen den drei Hauptstraßen liegt das urbane Zentrum. Hier dominieren die zahlreichen Moscheen. Wenige Schritte jenseits der Hauptstraßen wird es fast ländlich und steigt an zu einer parallel zum Fluss verlaufenden Hügelkette, die sich quer durch die Stadt zieht und den Pagoden und Klöstern gehört. Wie Perlen auf der Schnur reihen sich die Tempel aneinander, auf jeder Hügelspitze. Daneben gibt es etliche indische Tempel und ein paar Kirchen. Diversity scheint hier zu funktionieren, ohne dass man sich gegenseitig die Köpfe einschlägt. Der Zwieklang von Gebetsrufen der Moscheen und buddhistischen Gesängen aus naheliegenden Köstern hat schon etwas besonders.

Hübsche Moscheen ...
... prägen die "Unterstadt"
Auf den Hügeln ballen sich Pagoden und Klöster

Natürlich besuche ich mehrfach die auf den Hügel mit seinen Tempeln, Die schönste und größte Pagode hier ist die Kyeik Tan Lan, die auch einen beliebten Ausblick für den Sonnenuntergang bietet. Schön ist auch, dass man nach Besteigung des Hügels die letzten Treppen zur Pagode abkürzen kann indem man den Aufzug der Firma "Volkslift" benutzt. Diesen Komfort hatte ein früherer Besucher der Pagode, der britische Dichter Rudyard Kipling, sicher nicht, die Pagode indes inspirierte ihn zu seinem berühmten Gedicht Mandalay:

"By the old Moulmein Pagoda, lookin' eatward to the sea,
there's a Burma girl a-settin', and I know she thinks o' me,
for the wind is in the palm-trees, and the temple-bells they say,
'come you back, you british soldier, come you back to Mandalay!'" 

Den Worten Kiplings: "...und es ist wie kein anders Land, das du kennst..." kann ich mich auch nur anschließen.

Nats weisen den Weg
Klöster im Grünen
Abendstimmung
Abendlicht ist Fotolicht
Ausblick über die Stadt


Die Stadt lädt ein zu ausgedehnten Spaziergängen, etwas zu sehen gibt es immer. Sie weist eine gewisse Geschäftigkeit auf, ohne jedoch hektisch zu wirken, hier geht alles in relativer Gelassenheit seinen Gang. Viele schöne Holzfassaden und alte Kolonialbauten lassen sich entdecken, wenn man ab und zu nach oben schaut. Hochhäuser gibt es dafür keine. Auch Touristen sieht man erstaunlich wenige, im Gegensatz zu Hpa An. Ich bereue jedenfalls nicht die Entscheidung, Hpa An um eine Nacht zu Gunsten von Mawlamyaing gekürzt zu haben.


Allerlei alte Holzfassaden
An Kolonialbauten nagt teils der Zahn der Zeit
Das "Nationale Erleuchtungsinstitut" hätte ich mir irgendwie, äh, größer vorgestellt
Typische Gassen
"Gassen-Power"

Unweit meines Hotels beginnt das geschäftige Vietel rund um den alten und den neuen Markt, die nebeneinander liegend einen riesigen Komplex belegen. Der neue Teil ist architektonisch missraten, die Gassen um den alten Markt hingegen sind anschaulich. Auf der vorbeiführenden Strandroad geht während des Marktbetriebs nicht mehr viel, Unmengen Zeug werden hier auf- und abgeladen von Booten und Fahrzeugen aller Art. Man reist offenbar aus der ganzen Gegend an zum hiesigen Markt und es herrscht ein Gewusel, in dem man sich Stunden umschauen kann. Ebenfalls vorhanden ist ein Nachtmarkt an der Uferstraße, der hier allerdings überraschend klein ausfällt. Das macht nichts, das Angebot an Grillgut ist üppig und selbst mit viel Hunger und Durst gelingt es kaum, hier mehr als fünf Euro zu lassen. Gut, ich kalkuliere noch 50 Cent für's Motorradtaxi dazu, weil ich keine halbe Stunde wieder zurück laufen möchte.

Guter Duft in der Gewürzabteilung
Großeinkauf wird abtransportiert
Teebude an der Uferstraße
Gut beschirmtes Restaurant
Verschönerung der Uferpromenade, man kann mehr draus machen

Einen Abend fahre ich auf die andere Flussseite, nach Mottama, um dort einen Pgodenhügel aufzusuchen mit Blick auf Mawlamyaing. Es bedarf ein wneig Mühe, dem Tuk-Tuk Mann das gewünschte Fahrziel zu vermitteln, ich glaube, der war noch nie auf der anderen Seite der Brücke. Dank Handy und diversen Erkundikungen bei Passanten gelint es, die Auffahrt zum dortigen Hügel zu finden. Mit Mühe und Not schafft das Tuk-Tuk die Steigung und wir erreichen eine einsame, fast verwunschene Pagode mitten in üppigem Grün. Ein einsamer alter Mönch zersägt mühsam einen Palmstamm (warum auch immer), ansonsten herrschen Ruhe und Ausblick. Dem Fahrer gefällt es auch und er zückt gleich das Handy zum Fotografieren. Der Blick auf Mawlamyaing ist leider arg dunstig, aber der Rest ist dafür ok und die Anfahrt wert. 

Landschaft am Than Lwin
Mawlamyaing im Dunst
Einsam sägt der Mönch

Den letzten Abend fahre ich noch einmal zur Kyeik Tan Lan Pagode hoch, Sonnenuntergang gucken und genießen. Genauso genossen wird dann das Abschiedsessen auf dem Nachtmarkt, den am nächsten Tag geht es schon wieder weiter.

Volkslift zur Pagode
Sonnenuntergang über Stadt und Than Lwin
Nebenan die beleuchtete Mahamuni Pagode
Pagode und "Volkslift" mit bunten Licherketten
Die Steuerung der Illumination ist Experten vorbehalten
Grillgut wartet auf dem Nachtmarkt
Scherenschnitt am Fluss

Des nachts werde ich von einem lauten Geschepper und Gepoltere aufgeweckt, Quelle unbekannt. Es klingt ein wenig, als würden sich Affen auf den Dach meines Bungalows mit Kokosnüssen bewerfen. Genau, das muss es sein, im Halbschlaf bin ich geneigt, diese Erklärung zu akzeptieren und die Belästigung als vorübergehend einzustufen. Obwohl, habe ich hier schon Affen gesehen? Eigentlich nicht ... Dann mischt sich ein nervendes Wimmern und Quitschen in die Scheppergeräusche und ich mache schlaftrunken Licht. Halbwegs orientiert mache ich schnell die Klimaanlage als Verursacher der Ruhestörung aus. Das Teil macht mittlerweile Geräusche, als würde es jeden Moment explodieren und spuckt außerdem ein paar Eisbröckchen (!) aus. Interessant. Ein Druck auf die Fernbedienung lässt das Kühlgerät die Arbeit einstellen und schon herrscht Ruhe. Ich beschließe, der Sache nicht nachzugehen und erstmal weiter zu schlafen. Am nächsten Morgen bin ich mir sicher, dies nicht geträumt zu haben, die Anlage ist tatsächlich auch aus. Erstmal einschalten und schauen, was passiert. Nichts, außer das es wieder kühlt. Das Gerät ist auf angenehme 22° eingestellt (das Hotelpersonal hatte irre 16° vorgewählt als ich eincheckte!) und die langsamste, lautlose Lüfterstufe. Also kein Grund für Überlastung, meint man. Irgendwann am Nachmittag wiederholt sich das Szenario und ich schalte wieder ab. Abends wieder an, der Temperierung halber, ich bin gespannt, was nachts passiert. Es passiert nichts, das Gerät hat sich offenbar regeneriert. Man muss ja nicht alles verstehen.