Freitag, 6. April 2012

Jetzt neu!

Wieder daheim und arktischen Temperaturen ausgesetzt kümmere ich mich nun noch um Anreicherung des Geschriebenen mit ein paar Bildern. Das Problem ist wohl in geänderten Einstellungen bei blogspot und deren Kollision mit den Sicherheitsvorstellungen von Win 7 zu finden, höchst merkwürdig. Nur über Umwege gelang es, nun noch Fotos hochzuladen. Also hier gilt nicht: sonderbares Indien, sonder eher *#$+!?! Windows.

Endlich konnte ich einen Schirmherren für diesen Blog gewinnen

Freitag, 30. März 2012

Schon wieder vorbei

Drei Wochen vergehen immer wie im Flug. Schon der letzte Tag in Mumbai, der nicht vertroedelt werden moechte. Bei den Dabbawallas habe ich nach dem Rechten geschaut, man liefert immer noch fleissig Selbstgekochtes aus. Am CST waren aber nur wenige der Essentransporteure zugange, gut, dass wir letztes Jahr am Bahnhof Churchgate waren. Da gab es deutlich mehr zu sehen.

Heute habe ich den Crawford Market und das Basarviertel rund um die Freitagsmoschee (passt ja heute) noch einmal abgeklappert. Vieles habe ich wieder entdeckt und fuer einige Fotos gab das auch wieder was her. Die Sensation des Tages: Osama lebt, von wegen Pakistan. Der verkauft Melonenschnitten in Mumbai und zwar schon seit Jahren, wie er versichterte. Fuer ein Foto war der Mann leider, aber verstaendlich, nicht zu haben.

Sandwiches vom Kohlegrill sind ein beliebter Snack in Mumbai
Ich nehme noch allerlei Dienstleistungen in Anspruch, die ich sonst zu Hause selbst machen muesste: Schuhe putzen lassen, eine Rasur. Einen Guerterl erstehe ich auch noch bei einem der zahlreichen muslimischen Lederhaendler, angefertigt auf Laenge nach Wunsch.

Das Klischee sagt ja, die Europaeer waeren so gestresst und hektisch und ungeduldig und koentten da in Asien etwas dazulernen. Das Klischee irrt allerdings im nicht unerheblichen Masse. Schon mal morgens auf dem Bahnhof in Mumbai gewesen? Oder die S-Bahn benutzt oder jedes andere beliebige oeffentliche Verkehrsmittal, Taxi gefahren? Dann weiss an aber, was gestresst ist. Einerseits vermag der Inder in sich zu ruhen und zum Beispiel jederzeit an jedem Ort in jeder moeglichen und ummoeglichen Position zu schlafen. Andererseits ueberkommt ihn der totale Stress, sobald er sich in irgendwelchen Verkehrmtteln bewegt. Fuer Taxifahrer sind alle anderen Verkehrsteilnehmer ausnamslos "Bandchood" (ich uebersetzte das jetzt nicht, es ist ein boeses, boeses Schimpfwort), was auch gerne jederzeit lautstark geaeussert wird. Hupen, Schreien, Draengeln im Akkord, was fuer ein Stress. Ich empfehle den Deutschen Strassenverkehr zur Steigerung der inneren Ruhe, der ist echt shanti.

So, jetzt geht es noch zum Stadtstrand in Chowpatti zwecks Sonnenuntergang und dann wird es Zeit, den Sack wieder zu packen. Ich hoffe, fuer die geduldigen Leser waren ein paar interessante Zeilen dabei. Mit Fotos werde ich das ganze dann nachtraeglich noch anreichern.

Donnerstag, 29. März 2012

Mumbai Masala

So, da bin ich wieder in der wohl geschaeftigsten Stadt Indiens. Zwar frischer als in Kolkata weht auch hier feucht-warmer Muff durch die kolonialen Strassen. Ich wohne dieses Mal in Fort, dem Geschaeftsviertel unweit des Bahnhofs CST, das ist der schoene alte im Kolonialstil. In der Umgebung meines Hotels finden sich viele kleine Druckereien. In einem etwa ein Quadratmeter grossen Betrieb habe ich Visitankarten in Auftrag gegeben, 100 Stueck fuer ganze 150 Rupien, gute Sache.

Viel veraendert hat sich hier nicht. Gestern Abend bin ich nach Colaba, ins Touristenviertel, gefahren und habe gut gegessen. Der Keller brachte gutes Thali und erinnerte sich auch gleich, letztes Jahr waren wir da haeufiger. Beidseits des Causeway haben die teuren Markenboutiquen zugenommen und Haendlerscharen trachten nach wie vor danach, ihr Zeugs an den Mann zu bringen. Allein meine Interessierte Nachfrage nach einer White-Russian-Machine vermochte noch niemand zu befriedigen (das versteht jetzt nur ein Leser, aber den wird's freuen). Leider hatee ich abends nichts weiter zu tun, als im Leopold's ein paar heftig ueberteuerte Bier zu trinken. Langweilig, das, komische Leute hier. Ich hoerte von einem Gartenlokal in Colaba, das werde ich dann heute inspizieren und hoffe auf besseres.

S-Bahnen sind gefragte Verkehrsmittel
In Dharavi habe ich heute nochmal vorbei geschaut. Mohammad erzaehlte zufrieden vom Saisonverlauf und den Neuerungen auf seiner Route, unter anderem eine Rundumaussicht von einem der Daecher, das fand ich ganz gelungen. Einen Feedback-Fragebogen fuer seine Kunden hat er jetzt auch, es wird immer professioneller mit seinen Slumfuehrungen und Erfolg sei ihm gewuenscht. In Daharavi geht es wieder sehr gescharftig zu und nach wie vor funktioniert hier das Zusammenleben von Hindus uns Muslimen unproblematisch, so soll es sein, schoen. Von den Abrissplaenen hat man offenbar auch mittlerweile Abstand genommen oder diese zumindest auf Eis gelegt, so dass dieser Wirtschafts- und Lebensraum mitten in der Stadt unveraendert besteht.

Über den Dächern von Dharavi
In Fort wurde mir heute ein 100 Rupien Schein angeboen, der die Seriennummer 786786 tragt. "Very lucky number!" - Kostenpunkt: 5000 Rupien. Ich verzichte und verweise auf meine Unkenntnis in Nummerologie.

Dienstag, 27. März 2012

Letzte Tage in Kolkata

Abgesehen von der schon affenartigen Hitze ist Kolkata eine durchaus sympathische Stadt, den Aufenthalt von fast einer Woche bereuhe ich nicht. Noch einmal besuche ich morgens den Blumenmarkt und die angrenzenden Ghats am Fluss, wo vor allem in der Frühe etliche Zeremonien stattfinden und einige Sadhus anzutreffen sind. Stunden kann man sich in dieser Gegend treiben lassen und bekommt immer neues zu sehen.

Kolkata war lange kommunistisch regiert, jetzt macht Karl Marx den Baba
In der College Street sind hunderte kleine Buchläden zu finden, die aufgereiht in Bretterbuden beidseits der Straße allen möglichen und unmöglichen Lesestoff anbieten. Wenn man die Prüfungsfragen für angehende Polizeikommisare wissen möchte oder ein Handbuch der Chirurgie benötigt, hier findet man diese. Dazu gibt es stapelweise dicke Schinken über Computersysteme vergangener Tage, vergibte Romane und verwitterte Gebetsbücher.

Käufliches Wissen in der College Street
In der gleichen Straße suche ich eine Insititution von Kolkata auf: das Indian Coffee House. Ein düsteres Treppenhaus mit spinnwebenbehangenen Elektoinstallationen führt ins Obergeschoß eines alten und entsprechend vom Zahn der Zeit und des Monsun heimgesuchten Gebäudes. Dort tut sich der Kaffeesaal auf, in dem hübsch beturbante Keller unter duzenden schwirrender Ventilatoren dahin huschen und die auf Plastikstühlen sitzenden Gäste mit Koffein versorgen. Dem ganzen geht der Ruf eines Treffpunktes der Intellektuellen, gar eines Debattiertreffs von revolutionärem Ausmaß voran. Revolutionär ist heute allenfalls, dass mindestens die Hälfte der Besucher das unübersehbar plakatierte Rauchverbot geflissentlich ignorieren, ich schließe mich diesem unkorrekten Tun an.

Wo Intellektuelle Kaffee schlürfen
Unweit meines Hotels in der Sudder Street lässt sich morgens die Müllabfuhr der Stadt beobachten. Der Müll aus den Straßen und Gassen wird zusammengefegt und mit Handwägelchen zu einer Art Sammelstelle gebracht. Dort sorgt eine Horde Schweine sofort für eine Reduzierung der Müllmenge. Was verbleibt, landet auf Lastwagen und wird zum "Gabbage Mountain", der riesigen Müllkippe in Dhopa, gefahren. Da wollte ich eigentlich auch hin, aber kein einziger der befragten Taxifahrer verstand, wo es hingehen soll.

Ziemlich außerhalb auf der "Schäl Sick" in Howrah liegt der botanische Garten der Stadt. Das Taxameter bringt es auf fast 20 Kilometer. Der Garten ist ganz schön groß, wie ich nach ausufernden und schweißtreibenden Spaziergängen feststelle. Eine Oase der Ruhe, Dschungelstimmung und dann gibt es auch noch den weltweit größten Banyan-Baum zu sehen. Dieser in Asien populäre Baum aus der Fikus-Familie ist bekannt für seine Luftwurzeln, mit denen er ausladende Äste abstützt. Das hiesige Exemplar besitzt davon an die 3000, teils selbst baumstammdick, so dass der einzige Bäum eher wie ein kleiner Wald aussieht. Er erstreckt sich über immerhin 1,5 Hektar und hat es gar in Guiness Buch der Rekorde (welches in Indien total populär ist) geschafft.

My Rikshaw is my Castle
Da die wenigen Taxifahrer vor dem Garten höchst inflationäre Preisangebote machen, besteige ich den nächsten Bus zum Bahnhof Howrah. Eine Fahrradrikscha wäre wahrscheinlich schneller gewesen, ich hätte es wissen müssen. Schon nach wenigen Minuten und ebensovielen Stopps ist der Bus sardinenbüchsengleich mit Fahrgästen aufgefüllt und quält sich scheppernd und abgasumweht gen Bahnhof. Das macht er aber immerhin 20 mal billiger als die letzten Offerten der Taxifahrer. Um die Howrah-Brücke vom Fluss aus zu sehen, nehme ich die nächste Fähre vom Bahnhof gen Norden ans andere Ufer. Unversehents lande ich in einer ganz interessanten Gegend. Viele kleine, aber offensichtlich sehr beliebte Tempel reihen sich an der Uferstraße aneinander, auf der anderen Straßenseite Buden mit den passenden Opfergaben. Dahinter liegt die Bahnstrecke, die hier beidseitig bis dicht an die Gleise mit Slums gesäumt ist. Im angrenzenden Viertel werde ich zum x-ten Mal zu einem Tee eingeladen und bin schnell eine Art Attraktion. Schöne Ecken, in die sich eher wenige Ausländer verirren.

Heute ein König
Bei allen potentiellen Postkartenempfängern muss ich mich schon jetzt entschuldigen. Ich hatte vor, hier in Kolkata die Post zu erledigen, da habe ich ja Zeit satt, war der Gedanke. Dann habe ich es erst vergessen und schließlich nicht einen einizgen Verkäufer von Postkarten gesichtet. Vielleicht wird das in Mumbai noch was, schauen wir mal.

Sonntag, 25. März 2012

Kolkata II

Heute morgen war Ausschlafen angebracht und um acht gab es ein schönes üppiges Frühstück englischer Art. Es ist Sonntag. alles hat heute frei und ich will es auch ruhig angehen lassen. Ich spaziere ein paar Kilometer zum alten englischen Friedhof mit opulenten Grabmalen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die interessantesten Grabsteine, wie etwa: hier ruht soundso, verstorben, weil sie zu viel Ananas aß - finde ich leider nicht, aber interessant ist's dennoch. Riesige Pyramiden waren damals als Ruhestätte für Offiziere und hohe Beamte der East India Company offensichtlich en vogue, heute verwittern sie inmitten üppigen tropischen Grüns.

Manchen Kolonialbauten ist eine gewisse Baufälligkeit zu bescheinigen
In der Park Street sorgt ein Geldautomat wieder für Liquidität und sogleich macht ich es wie viele indische Familien der Mittelschicht am Sonntag: Mittagessen bei Mc Donald's. Das hat hier fast Eventcharakter und ermöglicht außerdem den reuhelosen Genuß von Eiscreme.

Per Taxi fahre ich nach Kalighat im Süden der Stadt, da die Metro Sonntags erst ab nachmittags verkehrt. Dort ist der bekannteste Tempel der Stadt zu finden, der Kali-Tempel. Kali ist eine recht archaische Gottheit und man stimmt sie traditionell mit Tieropfern gütig. Die Umgebung des Tempels ist voll mit Devotionalienhändlern und Bettlern, im Tempel selbst sind Menschenmassen unterwegs. Echte oder angebliche Brahmanen (Priester) versuchen hier permanent, Fremde zu überhöhten Spenden zu nötigen und das Fotografieren ist im Tempel auch ungern gesehen. Ich schaue mich demnach nur eine Weile um und suche dann das Weite. Das liegt nahe und ist ein Barbier, der mir für 10 Rupien (etwa 15 Cent) ein glattes Gesicht beschehrt.

Hier gibt es heiße Maggisoße für 20 Rs - wer kann das wollen, sonderbares Indien
Dann stellt sich ein Problem ein, dass unweigerlich immer irgendwann auftritt: Kleingeldmangel. Ich habe die Taschen voller Geld und bin trotzdem noch nicht einmal in der Lage, Zigaretten zu kaufen. Es ist Sonntag, nur die kleinen Buden am Straßenrand sind geöffnet und niemand kann - oder will.- 500er wechseln (das sind ca. 7,50 Euro). Nach einer Weile gelingt es dann und mit den nötigen kleinen Scheinen ist auch eine Taxifahrt zum Hotel wieder möglich, diese kostet bei knapp fünf Kilometern 50 Rupien.

Was macht man noch an einem Sonntag Nachmittag? Man geht zum Hotel Lindsay am New Markest, fährt mit dem Aufzug 10 Stockwerke hoch und setzt sich auf die Dachterrasse. Ein großartiger Blick über die Stadt ist gratis und auch der Rest nicht so teuer, ein, zwei Cocktails bei 35° sorgen für die richtige Perspektive. Schön sind dann Dusche und Siesta, bevor abends der Biergarten lockt. Unter schattigen Bäumen (tagsüber) gbit es dort nicht nur Kaltgetränke, sondern auch immer nette Gespräche mit anderen Menschen. Jeder Schatten hat natürlich auch seine Schattenseite, mich hat dort schon zweimal ein Vogel vollgekackt. Der Wäscheservice wird das schon wieder hinbekommen.

Projekt Tiger

Die beiden letzten Tage standen im Zeichen der Wildnis, ich machte mich auf, den Sunderbans Nationalpark zu erkunden. Die Sunderband sind das riesige Mündungsgebiet des Ganges und der größte Mangrovenwald der Welt. Die Wälder erstrecken sich über 10.000 Quadratkilometer, etwa ein Drittel der Fläche von NRW. Je nach Gezeitenstand besteht das ganze aus mehr oder weniger Inseln mit einem Geflecht von Mündungsflüssen und kleinen Wasserwegen. 60% des Nationalparks liegen in Bangladesh, der Rest in Indien.

Von Kolkata fahre ich rund drei Stunden mit einem Minibus zur letzten per Straße erreichbaren Insel. Mit von der Partie sind eine junge Schweizerin und drei Inder, die alle aus Kolkata stammen, mittlerweile aber in verschiedenen Ländern arbeiten und alle paar Monate gemeinsam Wochenendtouren unternehmen. Weiter geht es mit eineer Fähre, einem einfahcen Holzkahn, bei dem man entweder auf der Reling sitzt oder in der Mitte steht. Nach normalen Maßstäben wäre das Boot mit 50 Menschen gut gefüllt, wir fahren allerdings mit etwa 100 sowie einigen Fahr- und Motorrädern. Die drei Inder sind skeptisch - sie können nicht schwimmen. Wir erreichen aber problemlos "unsere" Insel.

"Unser" Dorf
Dort gibt es ein paar kleine Dörfer, keinen Strom, keinen motorisierten Verkehr. Wir fahren noch eine weitere knappe Stunde per Fahrradrikscha zu einem der Dörfer. Fahrradrikscha heißt hier: eine Holzplattform hinten am Fahrrad, tauglich für Menschen und Gütertransport, wo wir jeweils zu dritt mit Gepäck drauf verstaut werden. Auch bei diesen Fahrzeugen gilt: kein Strom, sie sind abends mit Kerosinlampen beleuchtet.

Angekommen im Dorf werden wir in der Hütte einer Fischerfamilie mit Mittagessen bewirtet. Dicke Lehmwände halten die Hütte erstaunlich kühl und zusätzlich gibt es einen Solar-Ventilator.Uns werden Leckereien in Megen aufgetischt (obwohl, einen Tisch gibt es nicht) und es ist nichts dagegen einzuwenden, dass die Familie auch in der Folgezeit für unsere Versorgung zuständig ist. Im Anschluss folgt ein interessanter Spaziergang durch das Dorf mit seinen strohgedeckten Häusern. Vor zwei Jahren gab es hier einen Zyklon und die Insel wurde überschwemmt mit Salzwasser, was ein schweres Problem für die Landwirtschaft ist. Langsam erholt sich der Boden und mit jedem Monsun sinkt der Salzgehalt, dieses Jahr können die ersten Reisfelder hoffentlich wieder bewirtschaftet werden.

In einem kleinen Schrein wird bei der zuständigen Gottheit Schutz vor dem Tiger erbeten. Viele der Dorfbewohner arbeiten als Honigsammler in den Wäldern und jeder hat schon einen Angehörigen durch Tigerattacken verloren. Auch das Dorf selbst wurde schon von Tigern angegriffen, die aber zum Glück nur Haustiere verspeisten. Durch lange Zäune innerhalb des Nationalparks wird versucht, die Tiger von den Dörfern fernzuhalten, was aber nicht immer gelingt. Die Tiere können kilometerweit schwimmen und das Angebot an Nahrung in den Wäldern ist nicht üppig. Die Chance, das wir auf unserer Tour einen Tiger sehen, kommt allerdings einem Lottogewinn gleich. In dem riesigen Gebiet leben aktuell gerade einmal 276 Tiger. So bekommen wir auch nur den Tiger zu sehen, den ich mitgebracht hatte, ein großer Spass war das allemal.

Blackhead-Kingfisher, es gibt duzende Sorten Vögel und mehrere Sorten Bier unter den Kingfishern
Wir fahren gegen Abend noch mit Ruderbooten durch die Mangroven zur Vogelbeobachtung, dann besteigen wir unser großes Boot, auf dem wir übernachten. Als Abendprogramm schaut eine Gruppe lokaler Musiker vorbei und es gibt wieder gutes Essen unter dem Sternenhimmel, ganz großartig. Die mitreisenden Inder sind gut vorbereitet und haben einen schier unerschöpflichen Whiskyvorat dabei, was zu einem gelungenen Abend zusätzlich beiträgt. Die Nacht auf den Boot mit viel frischem Wind ist große klasse.

Im Mangrovenwald
Der nächste Tag wird komplett auf dem Boot verbracht und wir durchfahren die Mangrovenwälder, besuchen ein paar Aussichtstürme und einen Brückenweg über die Mangroven hinweg. Wir lernen viel über dieses faszinierende Ökosystem und erfreuen uns an Ruhe und Landschaft, Das ist genau das Richtige zum Erholen von der Großstadt. Entsprechend zufrieden erreichte ich gestern Abend wieder Kolkata.

Spotted Deer - Tigerfutter bei der Aufzucht

Donnerstag, 22. März 2012

Am Hoogli

Wie ein aufmerksamer Leser richtig bemerkte: Kalkutta liegt nicht am Ganges, da irrt der deutsche Schlager. Hier fließt der Hoogli, welches ein Mündungsarm des Ganges ist. Auch der ist allerdings ganz schön breit, spielt aber im Leben der Stadt eine eher unbedeutende Rolle. Baderituale gibt es, aber spärlich gesäht

Heute bin ich viel gelaufen, zuerst eben zum Ufer des Hoogli. Auf dem Weg viele, viele breite Straßen mit noch viel mehr Verkehr, zwei Busbahnhöfe, ein Stadion (für Kricket, so ein Unsinn), viele Tropfen Schweiß und zum Nachfüllen etliche Tee und Wasser. Das Flußufer gibt sich dann eher verslumt an dem Ende, wo ich ankam. Zwischen Bahngleisen und improvisierten Hütten ist man damit beschäftigt, eine Art Strandpromenade zu bauen, eine Idylle mag sich derzeit aber nicht einstellen. Ein paar Badende im Schatten eines Schiffswracks sind anzuschauen und zum Glück säumen Teeverkäufer den staubigen Pfad. Ich wollte von hier mit dem auf dem Stadtplan eingezeichneten Fährboot auf die andere Seite, nach Howrah (sprich: Haora) übersetzen. Einen Fähranleger kann ich aber beim besten Willen auf einigen Kilometern Flußufer nicht auftreiben. Befragte Menschen sind auch überfordert oder bestätigen ganz erfreut "boat, yes!", um auch mal etwas gesagt zu haben. Tja, in Varanasi drängen sie einem die Boote im Duzend auf, hier fehlen sie dafür. Letzlich nehme ich ein Taxi und fahre auf dem Landweg zum Bahnhof von Kolkata, welcher in besagtem Howrah liegt (sozusagen auf der Schäl Sick von Kalkutta).

Morgentliche Badetätigkeit am Hoogli
Den Bahnhof suche ich wegen seiner gepriesenen Betriebsamkeit auf. Die unterscheidet sich aber auch nicht von anderen, finde ich. Also auf zur nahen Howrah-Brücke, einem der Wahrzeichen der Stadt. Die Stahlkonstruktion ist schon sehenswert, der Betrieb auf der Brücke um so mehr. Zig Tausende queren hier täglich den Fluß, in einem endlosen Strom von Bussen und Taxis und zu Fuß. Der Fußgängerbereich ist von Händlern gesäumt und Lastenträger schleppen zu hunderten teils riesige Ballen mit irgendwas ans andere Ufer. Hier kann man sich einfach hinhocken und hat Kino in Reinkultur vorüberziehen. Offiziell ist das Fotografieren auf der Brücke verboten, zum Glück schert das aber selbst die zahlreich herumlungernden Polizisten nicht. Mit einem fliegenden Händler für Spezialzahnpflegetinkturen führe ich ein längeres Gespräch und werde sogar zum Tee eingeladen. Er hatte offenbar großes Mitleid, nachdem ich mich als unverheiratet geoutet hatte. Außerdem fand er sehr bedauerlich, das Oliver Kahn jetzt im Ruhestand ist.

Geschleppe auf der Howrah-Bridge
Stunden verbringe ich dann in der Gegend des Blumenmarktes am anderen Ufer. Dicht gedrängt zwischen der Bahnlinie und dem Ufer steht ein Gewirr von Slumhütten, zwischen denen Blumen aller Art feilgeboten werden. Das ist einfach klasse, lebendig, bunt. Der größte Betrieb ist wohl frühmorgens, da werde ich auch noch einmal wiederkommen. Aber auch später am Tag kommen die riesigen Haufen aus Blumengirlanden in allen Farben schön zur Geltung. Ich bin ziemlich überrascht, hier nicht auf andere Touristen zu treffen und das Fotografieren ist hier die reine Freude. In der Nähe ist eines der wenigen Badeghats am Fluß und dort werde ich fast genötigt, ganze Familien abzulichten.

Hier gab's eine Rose geschenkt, nett
Scherereien am Hoogli
Ziemlich durchnässt suche ich nachmittags mein Hotel auf zwecks Siesta und Körperpflege. Zum Tee findet sich auch Mrs. Violet Smith ein, die Patronin des Hauses, weit in den 80ern und zu einem Schwätzchen aufgelegt. Sie erzählt unter anderem von ihren Gesprächen mit Günter Grass, als dieser sich hier aufhielt und bekannter Maßen Kolkata nicht mochte - was die alte Lady ihm nachsieht.