Freitag, 16. August 2019

1000 Meter Teak

Nicht fehlen darf, meine ich, ein Abstecher nach Amarapura, wenn man denn in Mandalay ist. Der Vorort, eine der vielen ehemaligen Hauptstädte, ist bekannt für diverse Kloster, aber besonders für die U-Bein Brücke. Die gilt als längste Teakholzbrücke der Welt und führt rund 1,2 Kilometer lang über den Taugthaman See.

Den Erfahrungen vorangegangener Besuche folgend, entscheide ich mich, die Brücke frühmorgens zum Sonnenaufgang aufzusuchen. Der Sonnenuntergang sorgt immer für höheres Touristenaufkommen, ich bin da selbst zu dieser Jahreszeit skeptisch. Also geht der Wecker um 04:15 Uhr und der bestellte Tuk-Tuk Fahrer wartet eine halbe Stunde später schon zum geplanten Aufbruch. Tuk-Tuks aus Indien und China sind seit einigen Monaten der neue Sterm am Himmel des Nahverkehrs in Mandalay, zuvor war man auf teure Taxis angewiesen. Sonnenaufgänge sind im August leider sehr zeitig, sofern sie denn stattfinden. Der heute verschwindet hinter wolkenverhangenem Himmel.

Die Brücke

In Amarapura angekommen dämmert es und ich stelle zwei Dinge fest: das Aufkommen an Verkaufsbuden aller Art am Seeufer hat erheblich zugenommen, man könnte sogar sagen, explosionsartig. Das zweite: der See ist tatsächlich See zur Regenzeit, um vieles größer als ich ihn kenne. Die Brücke ergibt nun vom ersten Schritt an Sinn, der Wassserstand reicht bis etwa einen Meter unter die Holzplanken. Zur Trockenzeit steht die Brücke zu weiten Teilen auf trocknem Boden und man kann drunter her laufen, bis auf einen flussbreiten Abschnitt in der Mitte. Wie erwartet ist das Besucheraufkommen am frühen Morgen quasi nicht existent. Auch der einheimische Brückenverkehr ist relativ übersaubar, Schulkinder, Marktfrauen, Mönche wandeln ihrer Wege.

Mahr als 1000 verwitterte Teakholzsäulen tragen die Brücke
Wenig Verkehr am frühen Morgen
Melonen für's andere Ufer

Ich überquere die geamte Brücke. Am anderen Ufer gibt es allerlei Essensstände, hier hatte ich mal Mohinga Suppe gefrühstückt. Von den meisten Buden ragen allerdings jetzt nur die Strohdächer aus dem Wasser. Einen Kaffee bekomme ich trotzdem ganz in der Nähe. Das Dorf auf der anderen Seite hat sich deutlich modernisiert, etliche mehrgeschossige Steinbauten, eine Bank und alphaltierte Straßen sind nunmehr zu finden, wo es zuletzt außer staubigen Pfaden und Holzhütten nicht viel gab. Die Dorfschule, die wir seinerzeit dort besucht hatten, finde ich leider auf Anhieb nicht mehr.

Land unter bei den Frühstückslokalen

Es war alles in allem lohnend, die Brücke mal in ihrer eigentlichen Funktion zu sehen. Der Spaziergang über die alten Teakplanken ist immer eine interessante Angelegenheit. Nach dem Brückenbesuch bekomme ich die gewünschte Frühstückssuppe im nächsten Dorf, nachdem sich der Fahrer sachkundig gemacht hat. Dann geht es zurück nach Mandalay, wo ich den "Pflichtbesuch" in der Mahamuni Pagode mit einem der verehrtesten Buddhas absolviere. Später laufe ich noch ein wenig durch das Marktviertel. Mein damaliges Hotel existiert nicht mehr, verschwunden sind auch die Geschäfte mit "Mönchsbedarf", die es in diesem Viertel früher gab (wie ich später erfuhr, sind sie in eine  andere Gegend umgezogen). Dafür ist jetzt hier ein größerer Straßenmarkt, auch nett.  Es wird Zeit, einen Barbier aufzusuchen. Obwohl ich die Rasur nicht blutig bestellt hatte, erhalte ich sie wieder mal ohne Seife,  das ist hier offenbar oft üblich. Die Prozedur verläuft dennoch recht geschmeidig.

Täglich wächst die Goldschicht: Mahamuni Buddha
Irgendwas ist immer super ...
... und seinen es die Bananen
Aggressive Werbung beim DVD-Mann
Reiskocher
Kaffeekocher (bester Kaffee in Mandalay!)
Seit zig Jahren unveränderte Institution: Nylon Icecream

Zum Abend möchte ich noch auf den Mandalay Hill. Angesichts des Klimas finde ich die Vorstellung, 230 Höhenmeter barfuss auf Treppen hoch zu latschen, gerade recht absurd. Also wird wieder der Tuk-Tuk Mann bemüht. der fast bis auf den Gipfel hoch fährt. Dort oben gibt es einen Tempel mit Ausblick und allerlei Jugendlichen und Mönchen, die gerne mit Touristen ihr Englisch üben. Das hat sich über die Jahre gehalten, schön. Also verweile ich eine ganze Zeit mit Ausblicken und Gesprächen, ein guter Ausklang für Mandalay.

Mandalay Hill
Gruppenfotos sind immer noch beliebt
Blick über die Stadt zum Ayeyarwady

Donnerstag, 15. August 2019

Alles im Fluss

Ich hänge hinterher, das Wetter macht allerdings genauso träge wie sich die momentane Internetverbindung gestaltet. Bilder werden daher wohl nachgeliefert werden müssen.

Die Flüse sind die Lebensadern Myanmars. Der Ayayarwady, der große Teile des Landes von Nord bis Süd durchquert und unterhalb von Yangon in sein großes Delta mündet, ist der bedeutendste. Deshalb wählte ich die Unterkunft direkt am Fluss, Ausblick auf Gewässer ist immer von Vorteil. Außerdem kann man hier viel Alltagsleben beobachten. Wer bei der "Strand Road" eine Uferpromenade erwartet oder bei einer "Jetty" eine befestigten Bootsanleger, wird nichts dergleichen vorfinden. Stat dessen gibt es Staub, Sand, Lärm. Die Uferstraße ist vielbefahren, vor allem von Lastwgen und knatternden Traktoren, die hier allerlei Güter von Schiffen abholen. Oder hinbringen. Dazu dröhnen gleich schräg gegenüber meines Hotels diverse Pumpen, mit denen Sand aus dem Fluss gewonnen wird, um die zahlreichen Baustellen zu bedienen. Die Doppelverglasung lässt mich aber in Ruhe schlafen, gar kein Problem. Längs des Ufers sind allerlei Bambushütten aufgereiht, wo diejenigen wohnen, die am Fluss arbeiten. Sie Säckeschlepper, Waschfrauen, Bambusverarbeiter, Sandbaggerfahrer und was hier noch alles für Tätigkeiten gibt. Nach europäischen Bedingungen würde man wohl von einem Slum sprechen. Kein Mangel herrscht auch an streunenden Hunden, denen man jeden Meter über den Weg läuft. Zum Glück geben sich alle recht friedlich.

Alltag am Fluss
Frühmorgens kommen die Mönche
... und nachmittags setzen sie zu einer Insel über
Streunende Hunde sind eine Plage

Ich verbringe einige Zeit am Fluss, hier gibt es viel zu sehen. Ein Markt ist genauso zu finden wie ein Vergnügungs- und Wasserpark, der hier skurril anmutet. Ich unternehme einen Ausflug nach Mingun, einige Kilometer oder eine Stunde Fahrt flussaufwärts. Die täglich einmal verkehrende Touristenfähre geht auch zur Regenzeit und als ich morgens dort auflaufe, warten bereits erstaunlich viele Leute auf das Boot. Ich wähnte mich schon mehr oder weniger alleine unterwegs, aber hier ist mehr los als bei meinem letzten Besuch von Mingun 2006 zur Hauptsaison. Pünktlich um neun geht es los. Jetty heißt hier: über diverse wackelige Holzplanken auf das Boot laufen. Und dann über die nächste Planke auf das nächste Boot. Und so weiter, unser Boot ist das fünfte in der Reihe.


Anleger heißt: Planke an Bord
Kontrastprogramm: Vergnügungspark

Mingun ist bekannt für eine vom damaligen König in Bau gegebene Riesenpagode, die größte des Landes sollte es werden. Ein Drittel wurde fertig, dann brachte ein Erdbeben große Teile zum Einsturz und stehen blieb ein 50 Meter hoher Ziegelhaufen. Zu sehen gibt es außerdem die größte noch funktionsfähige Glocke der Welt und eine hübsche weiße Pagode. Im Gegensatz zu meinem letzten Besuch gibt es außerdem ein enormes Aufkommen an Souvenirshops, der Ort scheint besuchertechnisch zu boomen. Das liegt aber zum großen Teil an einheimischen Besuchern, der Inlandstourismus hat sehr zugenommen. Entsprechend ist das Angebot der diversen Shops auch eher auf Bedürfnisse und Geschmack der Landsleute ausgelegt. Ich nutze die gut zwei Stunden Aufenthalt und spaziere umher, bis es mit der Fähre zurück geht.

Anfahrt nach Mingun
Rekordpagode, vom Erdbeben gestoppt
Kleiner, aber mit hübschen Design
Vernetzte Kinder

In der Dagon Beer Station am Fluss sitzen am späten Nachmittag die Arbeiter vom Flussufer beim Whisky zusammen. Aber es gibt dort auch gutes und preiswertes Essen, wie ist feststelle.

Beer Station mit Ausblick
Rainy Season
Bambus wird flussaufwärts geschlagen ...
... und hier dann verarbeitet



Abendstimmung

Dienstag, 13. August 2019

100 Prozent

Jetzt wird es Zeit, mal ein paar Zeilen zu schreiben. Ja, 100 Prozent, das ist die gefühlte schweißtreibende Luftfeuchtigkeit aktuell in Myanmar. Dampfbäder erfreuen sich im Wellnessbereich durchaus der Beliebtheit, aber braucht man das 24 Stunden täglich?

Meine Ankunft in Yangon liegt nun schon ein paar Tage zurück. Dort empfingen mich abend leichter Regen und Michael, der in Yangon lebt. Nach langen Jahren treffe ich ihn mal wieder. Bei meinen ersten Reisen hatte ich sein Reisebüro für die Buchung von Inlandsflügen genutzt, das war zumindest hierzulande noch vor dem Zeitalter von Internetbuchungen und E-Tickts. Beim Abendessen tauschen wir die Neuigkeiten aus Deutschland und Myanmar aus, ein schöner Einstieg in die Reise.

Einen Tag bleibe ich in Yangon, erledige ein paar Einkäufe und schaue mir die Bothataung Pagode am Fluss an, wo ich auch lange nicht mehr war. Angesichts des mittags einsetzenden strömenden Regens bleiben die Aktivitäten eingeschränkt, ordentlich nass werde ich trotz Schirm. Das ist nicht weiter tragisch, es ist dabei warm und ich habe mein Hab und Gut wasserdicht verpackt. Vom ersten Tag gibt es nur eine Handvoll Videos mit der GoPro (wasserfest), die ich allerdings hier weder schneiden, noch hochladen kann. Die Stabilität der Internetverbindungen hat sich allerdings verbessert, stelle ich fest.

Sonntag Morgen geht es zügig zum Flughafen und weiter nach Mandalay. Die Fluggesellschaft Mann Yanadarpon verfügt zwar nur über zwei Propellermaschinen, aber offenbar über genug Personal, um uns mittels Spalier aus Regenschirmen einen recht trockenen Weg vom Bus in den Flieger zu ermöglichen. Sehr nett, der heftige Regen hält nämlich ununterbrochen an.

In Mandalay lande ich auf dem nach wie vor überdimensionierten Flughafen, den ich 2005 ganz neu als "Geisterflughafen" mit leeren Hallen erleben durfte. Hier scheint dafür die Sonne. Die letzten Tage bekomme ich hier kaum Regen zu sehen, nachts gewittert es mal ordentlich, ansonsten ein Mix aus Sonne und Wolken bei geschmeidigen 36°. Einquartiert habe ich mich recht komfortabel am Ufer des Ayayarwady, der große Fluss des Landes, inklusive Balkon mit Blick auf selbigen.

Sonnenuntergang von meinem Balkon aus

Zunächst suche ich noch einmal diverse Sehenswürdigkeiten der Stadt auf. Dazu sind einige Strecken in der weitläufigen Stadt zu fahren, was sich mittlerweile per Tuk-Tuk (hier eher Motorrikscha im indischen Stil) erledigen lässt. Die Fahrpreise sind allerdings, verglichen mit anderen Orten hierzulande, recht heftig.

Ich fahre das Shwenandaw Kloster an. Das Gebäude aus Teakholz ist das letzte Original aus dem ehemaligen Königspalast. Es wurde als Kloster gestiftet, demontiert und außerhalb der Palastmauern wieder aufgebaut, daher überlebte es den Brand, der den gesamten Palast vernichtete. Das ganze Gebäude ist mit feinen Schnitzereien versehen, teils vergoldet, und ein Meisterwerk aus Holz.

Schnitzwerk ...
... bedeckt große Teile des Shwesandaw Klosters
Im Inneren vergoldet

Nicht weit ist es von dort zur Kuthadaw Pagode. Das sehenswerte hier ist vor allem das Meer von hunderten weißen Häuschen, welches die Pagode umgibt und Steintafeln mit sämtlichen buddhistischen Texten enthält. Das großte Buch der Welt, so heißt es. Fast nebenan liegt dann die Sandamuni Pagode, die ebenfalls von massenhaft hie rliecht bläulichen kleinen Tempelbauten mit Schrifttafeln umgeben ist. Das war seinerzeit offenbar in Mode.

Ein kleiner Teil vom größten Buch der Welt
Wer schlau ist, sucht einen Schattenplatz
... denn es ist Sonnenbrillenwetter
... zumindest überwiegend

Erstaunt bin ich über die Anzahl von Touristen. Einheimische Besucher stellen zwar die Mehrzahl, aber in Mandalay ist doch auch in dieser Jahreszeit einiges los. An chinesischen Tourgruppen herrscht kein Mangel, das kann schonmal etwas nerven. 

Viele Pagadenbesucher sind keine Touristen

Nach meinem ersten Eindruck hat sich in Mandalay, der zweitgrößten Stadt des Landes, deutlich weniger verändert als in Yangon. Die Stadt ist zwar groß, aber die Bebauung nach wie vor überwiegend niedrig, die staubigen Straßen haben oft Kleinstadtcharakter. Im Zentrum (sofern man es als solches bezeichnen kann, Mittelpunkt der Stadt ist nach wie vor der Königspalast) wachen ein paar Hochhäuser in den Himmel, davon habe ich bisher allerdings nichts gesehen. 

Samstag, 20. Juli 2019

Regenzeit

Während des europäischen Sommers herrscht in weiten Teilen Südostasiens der Monsun und bringt eine Menge Regen. Nicht eben die beste Zeit, sich dort hin zu begeben, da sind sich alle einig. Nun denn, ich werde es trotzdem tun und im August noch einmal nach Myanmar reisen.

Die Herstellung von Schirmen hat ja zum Glück Tradition in Myanmar

Ich verspreche mir davon, die touristischen "Hotspots" mit wenigen Besuchern teilen zu müssen. Geplant ist ein Besuch der ehemaligen Königsstadt Mandalay. Außerdem steht das alte Bagan mit seinen tausenden und tausend Jahre alten Pagoden auf dem Plan, kürzlich zum Weltkulturerbe berufen und eine der größten Sehenswürdigkeiten in ganz Südostasien. Beide Orte liegen in der zentralen Ebene, der sogenannten "Trockenzone". Trocken heißt hier allerdings, dass über die Sommermonate in Mandaly rund dreimal so viel Wasser herunterregnet wie in Köln im gesamten Jahr. Alles ist relativ, in den Küstenregionen kommt die 20-fache Menge zusammen und dort bleibt man in der Tat besser fern, zumal alles geschlossen hat.

Ich spekuliere darauf, das sonst eher steppenartige Bagan schön grün zu erleben und vor allem ohne die Touristenmassen, die sich hier mittlerweile zur Hauptsaison tummeln. Ich bin ohnehin gespannt, wie sich die Gegend in den rund 13 Jahren entwickelt hat, seit ich zuletzt dort war. Damals steckte der Tourismus noch vergleichsweise in den Kinderschuhen.

Warm wird es jedenfalls, aktuell erreicht Mandalay 38°. Nicht die optimalen Temperaturen für Regenjacken und -hosen, ich werde wohl einen Schirm mitnehmen. Für eine wasserdichte Kamera ist auch gesorgt. Ob der Plan gut ist, wird sich erweisen. Ich hatte vorsorglich meinen in Myanmar lebenden Bekannten kontaktiert, seine Antwort: kein Problem, bring Sonnencreme mit!

Sonntag, 24. März 2019

Paradies mit Fehlern

Sonnenaufgang in Mrauk U

Die friedliche Idylle, die ich noch im Januar genießen und durchwandern konnte, hat Risse bekommen. In der letzten Woche kam es in Mrauk U zu Auseinandersetzungen zwischen der separatistischen Arakan Army und dem Militär, unweit der Tempel im Bild. Momentan ist der Ort "off limits" für Touristen, soweit die spärlichen Informationen zutreffen.

Natürlich weiß man um die Probleme und in einigen Teilen des Landes schwelenden Konflikte. Trotzdem macht mich immer fassungslos, wie sehr doch die Idylle trügen kann. Kaum irgendwo traf ich freundlichere Menschen, trotzdem kann sich die Situation schnell ändern. Das erinnert an das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Es bleibt zu hoffen, das der Frieden bald in dieser und anderen Regionen erreicht wird.

Samstag, 23. Februar 2019

Circle Train

Ein paar Eindrücke von den Märkten an der Bahnstrecke rund um Yangon aus dem letzten und diesem Jahr habe ich in diesem Video zusammengefasst:

Sonntag, 10. Februar 2019

Hosentaschentauglich

In Myanmar war ich dieses Mal nur mit Kompaktkameras unterwegs, ein Experiment. Damit wird das Handgepäck nochmals überschaubarer und vor allem habe ich vor Ort meist keinen Rucksack oder ähnliches benötigt. Nur mit einer Kamera in der Hosentasche läuft es sich völlig unbeschwert herum, das war durchaus angenehm. Ich erinnere mich noch gut an stundenlanges Geschleppe eines schweren Fotorucksacks, das kann einem die Laune schon mal verderben.

Nach rund drei Jahren mit der Sony RX100, Modell III, als kompakter Begleiter in Ergänzung zu anderen Kameras kann ich auf gute Erfahrungen mit dem Gerät zurückblicken. Nun habe ich mir noch das neuste Modell der Reihe zugelegt, leider sündhaft teuer, aber dafür mit großer Telebrennweite. Mit zwei kompakten Kameras sollte man gut gerüstet sein, so war der Plan.

(Noch ein kleiner Hinweis vorab: mehrfach schrieb ich hier über Kameras aus dem Hause Sony, die ich in den letzten Jahren angeschafft und genutzt habe. Eben weil sie meinen aktuellen Bedürfnissen am besten entsprachen. Das ist weder ein "Test" noch objektiv, sondern einfach nur ein Ausschnitt meiner persönlichen Erfahrungen. Ich habe ansonsten mit Sony nichts am Hut, mache keine Werbung und habe auch bewusst keine Kamerahersteller / -händler verlinkt.)  

Kompakter Doppelpack

In der Tat ergänzen sich die beiden Modelle gut. Einmal der größere Brennweitenbereich, die andere dafür lichtstärker und für schlechte Lichtverhältnisse besser tauglich. Die Akkus sind die gleichen, einen Ersatz hatte ich natürlich dabei. Die Kapazität der kleinen Stromspeicher ist leider nicht berauschend, für einen Tag reicht es aber meist. Da man problemlos in der Kamera laden kann, entfällt ein Ladegerät und nur ein kleines USB-Kabel muss ins Gepäck. Ein zusätzlicher Kartenleser bleibt ebenfalls zu Hause.

Das Modell VI bietet Tele bis 200mm (Vergleichsgröße Kleinbild)

Natürlich muss man sich auf einige Einschränkungen einstellen, wenn man aus Systemkameras verzichtet. Freistellung mit knapper Schärfe ist aufgrund des kleinen Sensors sehr eingeschränkt. Das ist für die Bildgestaltung mitunter schade, bei manchen Motiven ist der große Schärfenbereich selbst mit großer Blende dann wieder hilfreich. Bei höheren ISO-Werten fällt die Qualität naturlich ab gegenüber größeren Sensoren, Fotografieren bei wenig Licht ist nicht die beste Disziplin für Kompakte. Bis ISO 800 kommen aber durchaus brauchbare Ergebnisse heraus, was nun schon ordentlich ist. Zu Zeiten des Diafilms hatte man meist maximal ISO 400 zur Verfügung.

Der aufklebbare Griff links ist wichtig für die Haptik, ein Objektivdeckel nötig für den Hosentaschentransport

Das Miniaturformat bedingt eine etwas fummelige Bedienung, die nach einer Weile Übung aber gut von der Hand geht. Das aktuelle Modell hat durch ein individuell bestückbares Menü in Punkto Bedienung finde ich dazugewonnen. Die für mich wichtigsten Einstellungen wie Blende und Beleichtungskorrektur gehen flüssig von der Hand, wenn man sich einmal auf das leider etwas leichtgängige Einstellrad auf der Rückseite eingespielt hat. Aufpassen muss man allerdings immer, nicht versehtnlich Verstellungen vorzunehmen, was mir ab und zu passiert ist.

Für den Transport habe ich mir Objektivdeckel zugelegt (leider unterschiedliche Durchmesser bei beiden Modellen), das erscheint mir zum Schutz des Lamellenverschlusses in der Hosentasche notwendig. Die Displays habe ich mit billigen Schutzgläsern aus China bestückt, die bisher tadellos und kratzfrei ihren Dienst versehen.

Klappdisplays mit elektronischer Wasserwaage sind klasse

Die Displays sind auch bei hellem Licht absolut ok finde ich. Das gleiche gilt für die kleinen aufklappbaren elektronischen Sucher, die ich ebenfalls regelmäßig nutze.

Alles in allem leisten diese Kompaktkameras deutlich mehr als "Schnappschussniveau" und die produzierten Fotos im RAW-Format sind in vielen Fällen für mich qualitativ ausreichend. Bei einem Großteil der Reisebilder lässt sich im Ergebnis kein Unterschied zu Systemkameras feststellen, behaupte ich mal. Natürlich lässt sich nicht alles gleich gut umsetzen, ich vermisse zum Beispiel ein stärkeres Weitwinkelobjektiv. Trotzdem, um klein und leicht unterwegs zu sein, war die Reise mit den beiden Kompaktmodellen für mich mehr als ein fauler Kompromiss, sondern eine gangbare Alternative. Die Einschränkungen kennt man vorher, ich konnte mich darauf einlassen.