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Sonntag, 26. April 2020

Sonntag beim Sensenmann

Die Sonne lacht und es ist Zeit, sich mal wieder die Beine zu vertreten. Schon länger war ich nicht mehr auf dem berühmten Melatenfriedhof, die altehrwürdige und parkartige Ruhestätte lohnt immer mal einen Besuch. Früher vor den Toren der Stadt, heute mittendrin als grüne Oase. Das zieht noch mehr Leute an, es ist doch recht viel los.

Berühmt: der Sensenmann

Abseits des Hauptweges (Millionenallee) mit ihren pompösen Familiengruften und zahlreicher hier ruhender Prominenz geht es ruhiger zu. Der Weg mich erst einmal zum berühmten Grab mit Sensenmann, (un)heimliches Wahrzeichen von Melaten. Zwischen den verwitterten, überwucherten und teils proper gepflegten Grabstätten kann man lange herumspazieren, ohne das es langweilig würde. Kunst und Kitsch, schlicht oder protzig, hier wird alles aufgeboten für die Verblichenen, oder doch eher für die noch Verbliebenen. Wer interessiert sich schon für Denkmäler, wenn es unterwegs ist ins Jenseits oder wohin auch immer.

Säulenheilige?
Zwei Bier für den Engel bitte
Verwunschen
International
Schattenplatz

Schlauerweise bin ich zwar mit Kamera losgezogen, allerdings mit einem so gut wie leeren Akku. Es gelingt daher nur noch, wenige Bilder einzufangen, dann ist Ebbe. Nun gut, vielleicht sollte ich im Sommerurlaub noch mal herkommen mit geeigneter Ausrüstung und ohne Trubel, morgens um sieben wird geöffnet.

Grabbeigabe, nicht nur bei Pharaonen beliebt

Sonntag, 29. März 2020

Vereinzelt

Samstag Nachmittag, bestes Frühlingswetter. Die Innenstadt rund um Dom, Fußgängerzone und Altstadt würde man üblicher Weise an einem solchen Tag meiden. Konsumwillige, Touristen und Brauhausterrassenbesucher sorgen für Gedränge, normalerweise. In Zeiten von social distancing sieht es freilich (und gut so) anders aus. Ich nutze das schöne Wetter, um einen Spaziergang im Zentrum vorzunehmen. Freie Straßen, freie Parkplätze und eine surreale Stille begegnen mir.

Freie Fahrt
... auch rund um den Hauptbahnhof

Die Domplatte ist nahezu menschenleer, für Geräusche sorgen nur die Windböhen, von Verkehr ist nicht viel wahrzunehmen. So still ist es hier sonst wahrscheinlich nur Sonntags in aller Herrgottsfrühe.

Soviel Platte ...
... bekommt man sonst nie zu sehen
Zugang nur für Gebtesbedürftige

Einige Spaziergänger flanieren durch die Fußgängerzone, vorbei an geschlossenen Läden. Heute ist hier zügiges Durchkommen für Radfahrer, die normalerweise keine Chance hätten auf der Schildergasse.


Information
Fußgänger(freie)zone

Roncalliplatz fast verlassen
Einsam

Ich drehe noch eine Runde durch die Altstadt, in der klassischen Touristengegend war ich länger nicht. Statt Menschenmasse und brummender Gastronomie herrscht fast gespenstische Stille in den Gassen. Etwas mehr Betrieb ist am Rheinufer, natürlich sorgt jeder für Bewegung.

Wenig Beanspruchung ...
... für's alte Kopfsteinpflaster
Verlassene Gasse
Viel Platz auf dem Alter Markt ...
... und dem Heumarkt
Alles Piano, Piano

Offensicht geht's, auch ohne Ausgangssperre. Bleibt zu hoffen, dass der gewünscht Effekt eintritt.

Sonntag, 22. März 2020

Vernunftbegabt

 Während sich zweitklassige Diktatoren die Langeweile verteiben, Kim Dings etwa mit Atombombentests, sorgen wir für Entschleunigung des Lebens. In meinem Wohnumfeld ist (fast) so wenig los wie seinerzeit, als uns der Irre vom Bosporus heimsuchte und mein Stadtviertel gesperrt wurde.

Geschlossen

Gesperrt ist jetzt nichts, aber ich stelle erfreut fest, dass die Mehrheit der Menschen zu vernünftigem Verhalten neigt. Neben den Besserwissern, Dauernörglern und toilettenpapierhamsternden Zombies gibt es viele, sehr viele, die einfach unaufgeregt die gebotenen Dinge beachten. In Köln hat man verfügt: draußen keine Gruppen, nur paarweise darf man in den Sonnenschein. Und das funktioniert. Bei meinen Runden (alleine) durch den nahegelegenen Grüngürtel am Wochenende ist genau das zu beobachten. Keine Ordnungshüter wachen über das Geschehen, trotzdem machen alle, was sinnvoll erscheint: man geht auf Distanz.

Basketball entfällt ...
... Tischtennis auch
Ungewohnt: viel Platz im Grüngürtel

Offenbar haben die meisten verstanden, dass es keinen Entscheidungen "von oben" Bedarf, keiner nie gekannten Einschränkung von Grundrechten, wenn alle mitdenken. Und ihre Mitmenschen dazu ermutigen, statt sie zu maßregeln. Zivilgesellschaft, Engagement, Mitgestalten wollen irgendwie alle, jetzt darf man es praktizieren und alle gewinnen dabei.

Kein Fußball
You'll never walk alone!
#staythefuckhome

Sonntag, 30. September 2018

Frieden

Anlässlich der Domwallfahrt und eingedenk des 100. Jahrestages zum Ende des 1. Weltkrieges bot der Kölner Dom in den letzten Tagen etwas besonderes. Auf der Domplatte wurden Friedenswünsche im Kerzenschein aufgestellt und der Dom wurde zur Leinwand für eine gigantische Illumination unter dem Titel "dona nobis pacem". Untermalt von Musik wurde ein Videokunstwerk der Medienkünstler Detlef Hartung und Georg Trenz zum Gedenken an den 1. Weltkrieg auf die Domfassade projeziert. Das war höchst beeindruckend. 

1914  
1918
Der Dom als Flugblatt

Farbiges Finale der Installation
Frieden ...
... weltweit


Samstag, 29. September 2018

Ausgangssperre

Angesichts des Erdogan-Besuchs in Köln finde ich mich heute am Rande der Sperrzone wieder. Ich drehe mal eine kurze Runde, um mir das anzuschauen, wobei allerdings nicht weit zu kommen ist. Der Konvoi mit dem, ähm, Dings fährt dann überraschender Weise quasi an meiner Haustür vorüber am Nachmittag, ich wähnte ihn längst in der Moschee. Wenigstens habe ich einen Parkplatz außerhalb des Sperrgebiets. Mal sehen ob dann heute Abend das Verlassen meiner Straße wieder möglich sein wird.

Verkehrsberuhigt
Fans unter'm Fernsehturm

Sonntag, 26. Juli 2015

Kölner Unterwelt

Kürzlich besuchte ich einen der Orte, die kaum einer kennt - obwohl mitten in Köln. Gleich neben der Hohenzollernbrücke führt seit Mitte der 80er Jahre ein Tunnel sechs Meter unter dem Rhein hindurch. Unscheinbar ist der Einstieg zwischen Brücke und Messe, ein kleiner Betonturm mit schmuckloser Blechtüre. Hinter dieser erscheint dann die eigentliche, hochwasserdichte Tür zu einem engen Treppenhaus.

Wasserdicht, zumindest bei geschlossenem Bullauge.

Auf - Zu
Hier geht's runter
Natürlich wurde hier nicht mit enormen Aufwand ein Tunnel zur Belustigung errichtet, die Röhre dient vielmehr der Fernwärmeversorgung von Deutz. Die Wärme wird als 130° Wasserdampf durch 70 cm dicke Rohre zur Schäl Sick gesendet. Dazu geht es 461 Meter durch den Tunnel, der mit drei Metern Durchmesser begehbar ist.

An Treppen herrscht kein Mangel
Der Tunnel
Die Fernwärmerohre sind sinnvoller Weise mächtig isoliert, damit nicht verloren geht. Das Klima im Tunnel ist daher angenehm temperiert und soll das ganze Jahr über ziemlich gleich sein. Auf der Innenstadtseite liegt das zweite Treppenhaus und endet direkt unter dem Musical Dome im Parkhaus. Besichtigungen lassen sich bei der Rheinenergie buchen.

Into the blue - Tunnelmitte