Dienstag, 17. Januar 2023

Total Kolonial

Im vollgepackten Boot tuckere ich des morgens zurück durch die Inselwelt zum Festland. Dort geht es dann wieder in einen der Sardinenbüchsenminibusse, der mich nach Pakxe zurück befördert. Auf halber Strecke Stopp an einem Rastplatz im Nirgendwo an der Nord-Süd Landstraße 13, man kann Kaffe kaufen und in der Sonne sitzen. Der Rest der Busladung tippt eifrig auf dem Smartphone und ich male mir aus, wie solche Nachrichten wohl aussehen mögen: "Sind jetzt an so nem blöden Rastplatz. Toilette kostet 2000 Kip, ohne Sanifair-Gutschein! Voll die Abzocke!!" So oder ähnlich vielleicht, man weiß es nicht. Vielleicht wurde die Pause aber auch genutzt, um schnell Aktien und Edelmetalle für imense Geldbeträge zu traden.

4000 Inseln, des Morgens

Raststätte, ohne Sanifair

Da Wohnen am Mekongufer in Pakxe wie erwähnt keinen echten Mehrwert bietet, steige ich dieses mal zentral ab. Und zwar in einer hübschen alten Kolonialherberge mit schön gediegenen Zimmern mit viel Holz und Badewanne. Dazu ein großer Balkon und das alles kostet nach zäher Verhandlung auch nicht mehr als die letzte Unterkunft, ist aber deutlich hübscher. 

Äußerlich eher unscheinbare Kolonialherberge

Mit wohnlichen Zimmern (pardon, Bett nicht gemacht)

Wenn man einen stummen Diener hat, redet der nicht viel

Mein Versuch, einen Motorroller zu mieten, um noch ein wenig Umgebung zu erkunden, scheitert leider - alles ausgebucht bei den einschlägigen Verleihläden. Damit hatte ich nun nicht gerechnet, so viel ist hier doch gar nicht los. Nun ist es, wie es ist und ich fahre nur per Tuk-Tuk zum neuen Markt, dem größten der Provinz. Märkte sind ja immer nett anzusehen und das ein oder andere leckere zum Essen findet man dort auch.

Hier geht's zum neuen Markt

Kokosnüsse dürfen nicht fehlen

Baguettes als Kolonialerbe auch nicht, hier gefüllt mit würziger Tunke

Kegelhüte sorgen für Schatten

Oder eben Sonnenschirme

Getränke im Beutel sind in Asien populär

Irgendwas genäht wird immer

Und Kinder machen Faxen

Bananen fehlen noch

Und hier kommt Reis

Tragestangen sind lange bewährt

Viel mehr passiert in Pakxe dann auch nicht mehr. Ich shclendere ien wenig umher, besuche das für gut befundene Dachrestaurant erneut und dann geht es weiter, zurück nach Vientiane. Leider gibt es seit Covid keine Direktflüge mehr nach Bangkok, das macht den Zwischenstopp erforderlich.

Die architektonische Zusammenstellung wirft in Pakxe manchmal Fragen auf

Aber schöne Atos gibt es

Brückentage

Wenn man 4000 Inseln zur Verfügung hat, bietet sich der Besuch zumindest einer weiteren an. Nach drei Tagen wechsle ich auf die südlichste bewohnte Insel Don Khon. Da diese praktischer Weise von Don Det mit einer Brücke erreichbar ist (dazu später mehr), erspart eine holperige Tuk-Tuk Fahrt einen längeren Marsch mit Gepäck. 

Die französische Brücke zwischen den Inseln (Brücken werden hier gerne nach der erbauenden Nation benannt)

Im Nordwesten der Insel liegt jenseits der Brücke das einzige nennenswerte Dorf. Ich wohne gleich neben der Brücke mit nettem Blick auf den Fluß, auch wenn da viele Palmen im Weg herum stehen. Meine Unterkunft ist mit zwei Stockwerken quasi das Hochhaus im Dorf und vom Dach aus kann man sich einen Überblick verschaffen.

Don Khon ist noch weniger besiedelt, dafür ein ganzes Stück größer als Don Det. Eine handvoll kleiner Dörfer, ein paar Reisfelder, ansonsten gibt es hier im wesentlichen Dschungel. Also alles noch ruhiger und noch mehr Natur, durchaus annehmbar für die nächsten Tage. 

Inselhauptstraße

Inklusive Supermarkt ...

... und Krankenhaus

Die Größe der Insel und die erstaunliche Tatsache, dass hier die Hauptwege betoniert sind, machen das Anmieten eines Motorrads attraktiv. Das passiert hier gänzlich formalitätsbefreit in wenigen Sekunden: kurzer Funktionscheck, umgerechnet 5 Euro überreichen, wegfahren. Ein voller Tank ist inklusive und nach Papieren welcher Art auch immer fragt niemand. Nun gut, es ist eine Insel, wo will man schon hin mit dem Mopped. 

Mietet man ein gelbes Motorrad, kann man das prima getarnt zwischen Bananen und Beer Lao Kisten parken

Unterwegs auf auf der Insel, hier mal unbetoniert

Zu sehen gibt es auf Don Khon vor allem Wasserfälle. Auf beiden Seiten der Insel ergießt sich der Mekong in allerlei Stromschnellen und Wasserfällen gen Süden. Man darf da nun nicht wer weiß was erwarten, das ganze kommt eher wie duzende Gebirgsbäche daher und hat nun nichts von den großen Wasserfällen der Welt. Nun denn, ich schaue es mir natürlich an. Die Wasserfälle im Westen sind mit einem ganz netten Park angelegt, inklusive Restaurant, Zäunen und Eintrittsgeld. Eine Gruppe Touristen aus Thailand ist auch ganz aus dem Häuschen.

Mutig trotzen die Thais und ich der Gefahr

Da fällt er, der Mekong, oder zumindest kleine Teile davon

Die angelegten Aussichtsplattformen wirken etwas schadhaft

Auch Mönche kommen zur Wasserfallbetrachtung

Und Kinder malen Mandalas in den Sand

Die Wasserfälle erstrecken sich über etliche Kilometer breite zwischen den zig Inseln. Den im Osten von Don Det will ich mir auch ansehen, das ist aber kompliziert. Am Abzweig vom Hauptweg fahre ich ein paar mal vorbei, den Trampelpfad in den Dschungel erkennt man kaum und ein Schild oder derlei gibt es hier nicht. GPS sei Dank holpere ich dann doch irgendwann durch die Büsche dem Wasserfall entgegen, dachte ich zumindest. Der Weg endet irgendwann vor einer desolaten Hängebrücke. Die müsste man eigentlich überqueren, über die Insel dahinter klettern und dann hätte man Blick auf die Wasserfälle, so die Theorie. Da die Brücke allerdings mehr als schadhaft ist und hier außer dem Dschungel und mir kein Mensch ist, nehme ich nach kurzer Überlegung von der Überquerung Abstand. Ein Schild warnt davor, dass hier auch niemand für Verletzungen haftet und mangels bergungswilliger Mitmenschen will ich den vielleicht 10 Meter unter der Ex-Brücke befindlichen Stromschnellen lieber nicht zu nahe kommen. 

Endstation Hängebrücke

Um beim Thema Brücken zu bleiben: was zur Hölle hat die Franzosen veranlasst, vor über 100 Jahren eine Brücke zwischen zwei nichtssagenden Inselchen zu erbauen? Da kommen nun wieder die Wasserfälle ins Spiel. Der Mekong war der Hauptverkehrsweg, um all die schönen geraubten Dinge, äh pardon, ich meine natürlich Kolonialwaren, aus den eroberten Gegenden wegzuschaffen. Nun sah man sich aber dem Problem ausgesetzt, das wegen dieser dämlichen Wasserfälle der Schiffstransport bis ins Mekongdelta und zum Meer nicht funktionierte. Und außer dem Fluss gibt es hier vor allem Berge, Urwald, keine Gegend, durch die man mühevoll irgendwelche Straßen bauen möchte. Die Briten bauten Eisenbahnen in Indien, die Franzosen taten es ihnen gleich in Vietnam, aber hier mitten im nichts? Doch! Die einzigen vielleicht zehn Kilometer Eisenbahn in Laos bauten sie von Nord nach Süd über die kleinen Inseln Don Det und Don Khon und die eigends dafür errichtete Brücke. Dazu gab es Verladerampen auf beiden Inseln, der ganze Kram ging vom Schiff auf die Schiene und kurz darauf, jenseits der Wasserfälle, zurück auf's Schiff. Problem gelöst, es wird einem aber auch nicht gerade leicht gemacht in diesen Kolonien. 

Verladerampe auf Don Det

Die Reste alter Schmalspurdampfloks rosten nun vor sich hin

Weitere Bauten aus der Kolonialzeit ...

... sind heute auch dem Vergammeln preisgegeben

Übrigens, inzwischen gibt es eine weitere Eisenbahnstrecke in Laos. Die verbindet die Hauptstadt Vientiane mit der touristischen Metropole, der ehemaligen Königsstadt Luang Prabang und führt weiter bis nach China. Das alles wurde in Höchstgeschwindigkeit von den Chinesen gebaut und man fährt nun per Zug in Höchstgeschwindigkeit in zweieinhalb Stunden nach Luang Prabang (Busse brauchen mindestens acht Stunden). Ich hörte, das China dafür im Gegenzug einen Teil besonders schadstofflastiger Industrie in nördliche Laos verlegen darf, um die eigene Umweltbilanz zu schönen. Wundern würde es nicht.

Leider sind die Tage auf Don Khon überwiegend bewölkt, zwei Nächte und einen halben Tag regnet es recht heftig. Das beeinträchtigt den Aufenthalt aber nicht wirklich, war eine schöne Zeit hier. 

Nur als Denkmal gesichtet: Irrawaddy-Delfine

Blick vom südlichsten Ende von Laos hinüber nach Kambodscha

Der Hund ist hier nicht begraben, er wird auf Fischernetzen abgelegt

Beim Tempelneubau ist der handwerklich geschickte Mönch gefragt

Die Perfektionierung des kleinen Laden für Alles: der kleine Laden für Alles mit Restaurant

Ob sich alte Matratzen für die Flußfahrt durchsetzen, ist noch nicht entschieden

Verregnete Natur, mystisch

Früher die Eisenbahn, heute Schulkinder auf der Brücke

Die Kokosnussversorgung war jederzeit sichergestellt

Für LKW ist die Brücke ungeeignet

Fischreich ist der Fluß nach wie vor

Abendliche Feuer halten die Mücken fern, sagt man. Ich vertraue lieber auf Chemie.

Da fällt mir noch eine Bonusfrage ein, die immer schon gestellt werden wollte:

Erzielen Berherbungsbetriebe bessere Kundenbewertungen, wenn sie aus ihren Handtüchern Fantasietiere kneten? Weiß das jemand?

Mittwoch, 11. Januar 2023

4000

Ein verregneter Vormittag gibt nun endlich Gelegenheit, dass Nichtstun zu unterbrechen, damit es hier mal weitergeht. Laos verfügt als Binnenland natürlich nicht über hübsche Küsten zum Nichtstun, aber man hat quasi über die gesamte Länge von Nord nach Süd den Mekong, einen der großen Ströme Südasiens. Ganz im Süden erreicht der Fluss eine Breite von bis zu 14 Kilometern und mäandert (was für eine schönes Wort) um zahllose Inseln und Inselchen, bevor mit Wasserfällen und Stromschnellen die Grenze nach Kambodscha überfließt. Si Phan Don heißt die Gegend, übersetzt 4000 Inseln. 

Good Morning Mekong

Da wollte ich immer schon mal hin. Wie so viele Ecken tauchten die Inseln hier Ende des letzten Jahrtausends auf der Speisekarte der ersten Backpacker auf und nahmen seither ihren touristischen Lauf. Abseits des Massentourismus ist man hier aber noch meilenweit, den findet man in Laos nur in Luang Probang und Vang Vieng. 

In Pakse werde ich zunächste in einen, dann doch in einen anderen Minibus verladen, ölsardienenartig zusammengepresst treten wir die Fahrt gen Süden an. Die regulären Busse, bestehend aud LKW-Ladeflächen mit zwei Bierbänkenund gefüllt mit einer größeren Anzahl an Menschen und Gütern aller Art, wären allerdings keine bequemere Alternative. Nach etwa zweieinhalb Stunden ist ein staubiges Kaff erreicht, hier legen die Boote zu den Inseln ab. Angesteuert wird Don Det, die wohl einzige richtig touristische Insel. Das Dorf an der Nordspitze besteht mehr oder weniger aus Bungalows, Restaurants, Bars und Touranbietern aller Art. Wobei man sich das in einer Dimension vorstellen muss wie Thailand vor Jahrzehnten, alles sehr überschaubar.

Ausblick vom Balkon, Don Det

Ich miete mich einen Steinwurf vom Anleger in Baba's Guesthouse ein, schönen Ausblick vom Balkon inklusive. Baba ist Franzose und gehört zu den touristischen Pionieren, hier vor 18 Jahren hängengeblieben. Ich ersuche den Herbergsvater erstmal um einen Wasserkocher, den bekommt man meist, so auch hier. In den kleinen "Läden für Alles" bekommt man auch immer 3 in 1 Coffeemix und kann damit die frühmorgendliche Kaffeeversorgung autark sicherstellen.

Viel los ist nicht, die Kapazitäten an Betten und Restaurants sind nicht annähernd ausgelastet. Aber nach 21 Uhr passiert hier ohnehin nichts mehr, es ist stockdunkel und die Stille wird nur von den allgegenwärtigen Dschungelgeräuschen und dem plätschern des Flusses unterbrochen, herrlich. Ein paar Bewusstseinserweiterungswillige huschen herum, erkennbar an Zottelbärten und gekleidet, wie sie sich einen Inder vorstellen, Kundschaft für die in einigen Bars auf der Speisekarte aufgeführten illegalen Substanzen. Das stört nicht weiter, sonst passiert hier nicht viel. 

Die Insel kann man mit gemütlichen Spaziergängen erkunden. Sobald man sich von der Nordspitze entfernt, gibt es nur noch Landschaft, Landwirtschaft wie seit eh und je, Palmen und Reisfelder. Letztere bedecken große Teile des Inselinneren, sind aber nach der Ernte nun braun und trocken. Zu einer anderen Jahreszeit muss das traumhaft aussehen.

Insellandschaften

Und hier und da ein Dorf

Hühner haben Vorfahrt

Die Hauptwege sind sandige Trampelpfade, Straße ist hier nicht vorhanden. Das geht am besten zu Fuß oder per Fahrrad, nicht aber mit Rollkoffern, wie einige Anreisende, die Gepäckauswahl bereuhend, festellen. Mit Spazieren, Sitzen und Gucken, ab und zu einem Restaurantbesuch, sind die Tage gemütlich gefüllt.

Heute exklusiv: Götterspeise für die Geister

Herdentrieb bei Familie Büffel

Es geht ländlich zu

Trockene Reisfelder sinf farblich keine Bereicherung

Es ist überwiegend bewölkt, was aber nicht groß schadet. Warm genug ist es sowieso. Die zweieinhalb Tage auf Don Det vergehen auch ohne besondere Highlights wie im Fluge, dann siedel ich auf die Nachbarinsel über. Hier noch ein paar weitere Eindrücke im Bild:

Ausblick ist ausreichend vorhanden

Palmen sind dabei immer gut

It's magic: "Kleiner-Laden-für-Alles"

Kleine Läden für alles sind eine tolle Sache. Von Farbe über Wasserrohre und Zement, über Eier und Mehl bis zum Schampoo gibt's hier wirklich so ziemlich alles. Und wenn nicht, würde man es sicher irgendwie besorgen. In jedem Ort habe ich bisher schnell einen zuständigen Laden gefunden, der mich zuverlässig mit den benötigten Dingen versorgt. Zum Beispiel mit diesem Schampootütchen, die man unbedingt vor dem Duschen aufreißen muss und nicht mit nassen Fingern und irgend so eine kopfkühlende Substanz enthalten, tolle Sache. Da ich mit Handgepäck flüssigkeitsbeschränkt bin, ist der Gefrierbeutel überwiegend mit Anti-Brumm gefüllt (Malariagegend) und Sachen wie Schampoo gibt es immer vor Ort. Im kleinen Laden für Alles, klar.

Nach der Schule herrscht Andrang am Süßwarenstand

Der Abfallabtransport ist geregelt

Die Inseltankstelle auch

Umleitungen, auch ohne Straße

Der offizielle Matschwagen macht aus staubigen, sandigen Wegen kurzzeitig Matschwege. Danke, Matschwagen.

Das Thema "Holz" kam in deisem Beitrag noch nicht zur Sprache. Warum auch immer, es ist eigentlich gar nicht wichtig.

Hier liegt wieder Holz, dahinter steht Bier

Hier wird Holz herumgefahren

Das ist aber kein Holz, sondern Bambus