Dienstag, 7. August 2018

Abwrackprämie

Der britische Frachter Temple Hall aus dem Jahr 1953, zuletzt unter griechischer Flagge und dem Namen Telamon unterwegs, sank 1981 vor Lanzarote. Das Wrack wurde aus der Hafeneinfahrt in eine Nachbarbucht geschleppt und da rostet es seit fast 40 Jahren vor sich hin. Im letzten Jahr sollte der Schrotthaufen eigentlich entfernt werden, was bis heute allerdings nicht geschehen ist. Also fahre ich mal hin, um mir das ganze anzusehen. Abends bin ich in einer Vietelstunde dort.

Geisterschiff nach Sonnenuntergang
Abends ist auch die benachbarte Raffinerie fotogen

Der brennende Dornbusch

Die vulkanische Sehenswürdigkeit auf Lanzarote sind die Feuerberge. Um mir einen landschaftlichen Überblick zu verschaffen, ist das auch gleich eines der ersten angesteuerten Ziele. Anders als auf Teneriffa kann man hier allerdings nicht den Nationalpark nach belieben befahren, sondern nur zwischen 09:00 und 18:00 Uhr. Also stehe ich früh auf, um zeitig dort zu sein.

Kurz nach Sonnenaufgang geht es los. Die Straße in den Nationalpark hinein ist schon grandios. Tief hängende Wolken wehen zwischen den Vulkankegeln und gestalten die Anfahrt nebelig, was tolle und fast unwirkliche Ausblicke ermöglicht. Leider ist es gänzlich unmöglich, auf der Strecke anzuhalten. Die enge Straße ist durchaus befahren und zu beiden Seiten türmen sich direkt die Lavabrocken, seitlich ranfahren ausgeschlossen. Der Abzweig zu den Feuerbergen ist mit einer Schranke versperrt nebst dazugehörigem Kassenhäuschen, denn das kostet hier 10 Euro. Ich bin dann doch (hier geht es zügiger voran als gedacht) eine Stunde zu früh dort und der erste vor der Schranke. Das lässt ausreichend Zeit, Vulkane und Wolken zu bestaunen.

Der Teufel weist den Weg
Früher Vogel steht zuerst an der Schranke

Nach und nach sammeln sich duzende Fahrzeuge hinter mir. Pünktlich um neun tut sich dann die Zufahrt auf und es geht noch mal ein paar Kilometer hinein in den Nationalpark bis zu einem großen Parkplatz mit duzenden emsigen Einweisern. In die eigentlichen Feuerberge kommt man dann nur mit einem Bus, der eine Runde durch die Landschaft dreht und inbegriffen ist. Als erst angekommener bekomme ich den Platz vorne neben dem Fahrer, aussichtstechnisch nicht schlecht. Allerdings heißt Bus, dass Fotografieren im Grunde unmöglich ist. Spiegelungen un Scheiben sind keine Freude und fast nicht zu umgehen. Schade, in Teneriffa ist doch einiges mehr möglich in den schönsten Ecken des Nationalparks. Im Vergleich fallen die Feuerberge ohnehin ab, schön anzusehen, aber doch nicht unheimlich spektakulär. Ein paar Eindrücke aus dem Bus heraus dann doch:

An Farben herrscht kein Mangel
Auf den ersten Blick kaum sichtbar: allerlei Pflanzen- und Tierarten wohnen in der Lava
Kraterlandschaft, leider recht dunstig am Morgen
Lohnende Ausblicke, ich muss gegen Abend nochmal her

Nach der Busfahrt ist natürlich die obligatorische Erdwärmedemonstration angesagt. In nur drei Metern Tiefe hat es hier 300° und trockenes Gestrüpp fängt zügig Feuer. In Löcher gekipptes Wasser kommt als Gysir fauchend wieder heraus, die Menge staunt. Im Restaurant am Parkplatz gibt es dann auch noch einen großen, komplett mit Hitze aus dem Erdinneren beheizten Grill. Ich trinke einen Cortado (Espresso mit Milch) und staune auch, auf der Zufahrtsstraße stauen sich inzwischen die Autos bis zum Horizont.

Brennender Dornbusch, ein alter Hut seit biblischen Zeiten
Kartoffeln vom Lavagrill
Besucherandrang verursacht Stau in der Einöde

Wer am späten Vormittag die Straße durch den Nationalpark nimmt, sollte sich mit Geduld wappnen. Vor der Abfahrt zu den Feuerbergen staut es sich auch hier aus beiden Richtungen. Ausfahren geht natürlich, ich mache mich auf nach Yaiza. Der kleine Ort liegt den zuletzt aktiven Vulkanen am nächsten und war einst landwirtschaftlich bekannt. Das hatte mit den Ausbrüchen im 18. Jahrhundert jäh ein Ende, nun liegt der Ort mitten im Lavameer. Ein kurzer Bummel und schnell ist das Dorf erlaufen. Wie in allen Orten hier sind die Häuser weiß, die Blumen bunt und Palmen setzen Kontraste, schon hübsch anzusehen.

Yaiza am Fuße der Feuerberge
Der hier ansässige Pfarrer war Chronist der letzten Vulkanausbrüche im 18. Jahrhundert
Hier ist der Kaffee preiswert
Und Fotos gibt's in 30 Minuten

Verkehrsgünstig

Mein Urlaubsdomizil liegt, das wußte ich vorher, wie es im katalogdeutsch heißt euphemistisch "verkehrsgünstig": im Westen grenzt Playa Honda an den Flughafen, im Norden an die Autobahn und große Einkaufszentren. Auf den anderen beiden Seiten schließen sich das Meer und die Hauptstadt Arrecife an. Das schadet alles nicht. Ob der Lage taugt Playa Honda wenig für den Massentourismus, die Sträßchen mit hübschen kleinen Häusern werden überwiegend von einheimischen und spanischen Urlaubern bewohnt und sind eher preiswert zu haben.

Nach der Hitzewelle daheim war es gestern bei der Landung hier 24°, dazu stark bewölkt und dunstig durch herbeiwehenden Saharasand. Der erscheint kurz drauf in Forn von Regen und mein hübscher Mietwagen ist steither braun gesprenkelt (wie alles in der Umgebung). Für meine Herberge wurde mir doch nicht - wie vorher zugesagt - der Code für die Schlüsselbox gesendet. Im Regen stehend rufe ich den Hausherren an, der es Englischen nur begrenzt mächtig ist, aber immerhin zügig von nebenan herbei eilt. So kann ich mein Haus in Besitz beziehen und mich überflüssiger Weise für eines von drei Schlafzimmern entscheiden. Die brauche ich natürlich nicht, aber die gut ausgestattete Küche und die große Innenhofterasse mit Grill schon. Alles ist bestens.

Ein meist schattiges Plätzchen zum Verweilen

Der erste Ausflug führt mich zu Hiper Dino, der kanarischen Supermarktkette, hier kaum einen Steinwurf entfernt in einer Art Shopping Mall. Mit dem Auto ist es dennoch eine kleine Herausforderung, Playa Honda besteht aus unzähligen Einbahnsträßchen und ungewollt fährt man das ein um andere mal im Kreis, bis man ortskundig wird. Ein Großeinkauf will trotzdem mit dem Fahrzeug erledigt werden, ich kaufe die Grundausstattung für die nächsten zwei Wochen.

Den Sonntag lasse ich ruhig angehen. Am späten Morgen verziehen sich die Wolken und das Wetter ist wie erwartet und von der Wetterapp auch gestern irrtümlich angekündigt: Sonne, blauer Himmel, 29°. Dazu geht immer ein erfrischender Wind.  Schön um auf der lauschigen Terasse zu verweilen. Mein Schlafzimmer hat sich sich im Übrigen als totenstill des nachts erwiesen, außer einem kläffenden Hund kein Laut. Auch tagsüber sind die startenden Flugzeuge durchaus erträglich, meine Palmen sind lauter. Ach? Ja, genau. Man glaubt nicht, was Palmen im Wind für Lärm machen. Dafür habe ich im Hof die größten Palmen der ganzen Straße, für das Auge und als Orientierungspunkt sehr gelungen.

Ich hab die Größten im Hof


Mittags gibt es in Playa Quemada (zum Ort später eventuell mehr) Oktopus mit weltklasse grüner Soße, die hier einen erfreulichen Korianderanteil aufweist. Abends geht es fischig weiter, ich weihe meinen gemauerten Grill mit Riesengarnelen ein.

Smoking rooms around the world #5

Düsseldorf

Mittwoch, 1. August 2018

Koks satt

Immer wieder lohnend ist ein Besuch der Zeche Zollverein in Essen. Laut dort Ansässiger die "ehemals schönste und größte vonne Welt!" und definitiv Weltkulturerbe. Ausblicke von den Dächern lassen immer wieder staunen, wie grün doch das Ruhrgebiet ist. Selbst verkorkste Skylines stören das ansprechende Landschaftsbild kaum. Und die Spuren der Industriekultur sind sowieso sehenswert, hier ein paar Impressionen:

Förderturmsilouette
Arbeitsbedingungen die weniger erfreuten
Bei Problemen: Anruf
Der Zahn der Zeit
Orange 1: Treppenhaus
Orange 2: verrostete Koksöfen
Blau: hier geht's raus

Hundstage

Es gibt etwas Nachholbedarf. Neben dem Kurztrip in die Schweiz arbeite ich heute mal noch ein, zwei Dinge ab, bevor es nach Lanzarote geht. Seit einiger Zeit sind Hundstage und die Temperaturen nun wirklich für berufstätige Menschen etwas übertrieben. Tropische Verhältnisse mit Nächten jenseits der 20° sind dann nach hießen Tagen ganz ok, etwa um die Mondfinsternis anzuschauen (diese Mal jedoch ohne Fotos) oder einfach auf dem heimischen Balkon zu sitzen. Da:

Kein Lüftchen weht
Aber zum abendlichen Sitzen lädt es ein

Die spinnen ...

... die Schweizer. Im Frühjahr unternahm ich nach ewigen Zeiten noch einmal einen Abstecher zu den Eidgenossen vom Allgäu aus. Zwecks der Auffrischung von Kindheitserinnerungen wollte ich noch einmal nach St. Gallen ins Appenzell und die dortige berühmt Stiftsbibiothek besuchen.

Gesagt, getan, in einer guten Stunde war dies erreichbar. Allerdings musste ich durch Österreich, also eine Vignette erwerben. Hier gibt's die wenigstens wochenweise, billig trotzdem nicht eben. Für die Schweiz muss man so oder so die Jahresvignette erwerben für teure Fränkli. Nun denn, also gab es zwei nicht günstige, bunte Aufkleber für die Windschutzscheibe. Ohne hatten sie mich garantiert erwischt und richtig zur Kasse gebeten, also Schwamm drüber.

Die Schweiz ist teuer, das weiß man seit je her. Ohne Murren berappe ich den Eintritt zur sehenswerten Stiftsbibliothek. Wir in Kindertagen schlufft man auch heute noch mit riesigen Filzpantoffeln über den Schuhen über's hübsche Parkett, kann allerlei uralte Schriften bewundern und eine echte ägyptische Mumie. Die fand ich früher besonders spannend. Das alles ist in einem barocken Gemäuer recht anprechend dargeboten. Fotografieren verboten, öhm ja, hier ein Eindruck:

Erwürdige Aufbewahrung von Geschriebenem

Fake-Selfie mit koreanischer Hilfe vor einem extra zu diesem Zweck angebrachten Poster (nicht die echte Bibiliothek im Hintergrund)
 
Bei bestem Wetter bummele ich noch etwas durch's Städtchen, Mittagessen fällt dann eher spärlich aus. Für ein Stück Käsekuchen (9,50€) und einen Kaffee (5,40€) reicht es noch, der Rest geht für's Parkhaus drauf. Länger Urlaub machen will man hier glaube ich nicht.