Sonntag, 13. März 2016

Spiegellos, ein erstes Fazit

Nach Thailand ging es zum ersten Mal mit einer spiegellosen Systemkamera im Gepäck, der Sony Alpha 6000. Nach drei Wochen hier nun ein kleiner Erfahrungsbericht zum Umstieg auf ein neues System.

Erste Bewährungsprobe für die Sony alpha 6000

Da ich immer eine zweite Kamera, außer der Actioncam GoPro, mitnehme, stand ich hier vor der Frage, welche soll es sein? Ich hätte ein zweites a6000 Gehäuse ausleihen und mitnehmen können, was sicher Vorteile bietet. Meist hatte ich bisher auch zwei DSLR Gehäuse im Gepäck. Allerdings würde das Ziel, Volumen und Gewicht des Fotozeugs deutlich zu reduzieren, dann schon wieder ein wenig "aufgeweicht". Also begab ich mich auf die Suche nach einer möglichst kompakten Lösung, am liebsten für die Hosentasche. Meine noch vorhandene Kompaktkamera ist in die Jahre gekommen und wäre zur Not eine Lösung gewesen, aber nicht völlig überzeugend, vor allem weil sie keine Full HD Videos liefert.

Nach entsprechender Recherche habe ich noch einmal investiert und die nicht gerade zum Schnäppchenpreis erhältliche Sony RX100 III erstanden. Nach allem was ich in Erfahrung bringen konnte ist dies sicherlich mit das beste, was in Sachen Kompaktkamera zu bekommen ist. Die Version drei der Kamera bietet einen eingebauten Sucher, das war für mich ausschlaggebend. Auch das stärkere Weitwinkelobjektiv im Vergleich zu den Vorgängern fand ich für mich sinnvoll. Der 1-Zoll Sensor soll einigermaßen brauchbare Ergebnisse liefern in Kombination mit dem 24-70mm Zoom, das eine passable Lichtstärke von 1,8-2,8 mitbringt. Außerdem kann im RAW-Format gespeichert werden, auch das ist Pflicht.

Begleitung für die Hosentasche: RX100 III

Zurück zur a6000. Natürlich kamen hier mehrere Objektive mit, bei einer Systemkamera ja durchaus Sinn der Sache. Ich hatte mich als "Standardobjektiv" für das leider ebenfalls teure Zeiss 16-70 (entspricht 24-105mm) entschieden, in der Hoffnung, damit eine bestmögliche Bildqualität zu erzielen. Das hat sich nach meinen ersten Eindrücken bestätigt, die meisten Bilder der Reise entstanden mit dieser Linse. Hinzu kam ein 10-18 (15-27mm) Weitwinkel, für mich unverzichtbar. Das Sony Weitwinkel ist qualitativ ausgesprochen gut und noch einigermaßen kompakt und leicht. Für schlechte Lichtverhältnisse packte ich noch die Festbrennweite 1,8/35 ein, die allerdings dann doch eher selten genutzt wurde. Die Lichtstärke Blende 4 der Zooms hat mir meist gereicht. An den Objektiven habe ich nichts zu meckern, optisch und mechanisch bin ich zufrieden und der Stabilisator taugt ebenfalls.

Einiges hat mir gut gefallen bei der Sony a6000 als Reisekamera:
  • Kompakte Größe und das Gewicht, schon ein deutlicher Unterschied zur DSLR
  • Schwenkdisplay, das hatte ich noch nicht und lernte es schätzen
  • Zügiger Autofokus, wobei ich hier Vorteile zur DSLR nicht feststellen kann
  • Elektronischer Sucher, bei manchen Gelegenheiten nicht schlecht, zum Beispiel in düsterer Umgebung
  • Die eher unauffällige Erscheinung, die nicht nach "Profikamera" ausschaut
Natürlich gab es auch Schattenseiten, die mir weniger zusagen:
  • Das "billige" Finish, viel Plastik, fummelige Tasten ohne Druckpunkt
  • Die Verschmutzungsanfälligkeit des Sensors, der bei Objektivwechseln immer frei liegt
  • Die Akkulaufzeit, Ersatzakkus sind Pflicht, war aber kein echtes Problem in der Praxis
  • Der elektronische Sucher, bei manchen Gelegenheiten ungüstig, z.B. Gegenlicht
  • Die Dichte der Bedientasten, der Kompaktheit geschuldet, Fehlbedienungen passieren manchmal ungewollt
  • Teils unpraktische Bedienung durch die Menügestaltung
Ein elektronischer Sucher ist gewöhnungsbedürftig, damit kann ich leben denke ich. Das Hauptproblem war tatsächlich, dass man beim Hantieren mit der Kamera schnell mal das sehr leichtgängige Einstellrad auf der Rückseite verstellt und damit eine falsche Belichtungskorrektur einstellt. Auch die Blende war öfters mal verstellt entgegen der Absicht. Nachdem ich mir angewöhnt habe, da wirklich immer drauf zu achten, ging es dann einigermaßen. Diese ungewollte Verstellung passiert hier definitiv leichter als bei meinen Spiegelreflexkameras, die Einstellräder dürfen für meinen Geschmack weniger "sensibel" sein.

Insgesamt kann ich ein positives Fazit ziehen. Die Fotos, und darauf kommt es ja an, entsprechen meinen Erwartungen recht gut. Ich werde sicher noch weiter mit der Kamera "üben" bei zukünftigen Gelegenheiten. Ein Feintuning ist etwa noch nötig bei der Erstellung von Zeitraffern, gesteuert über externe Software auf dem Tablet habe ich ich irgendwie keine Ausgabe als RAW hinbekommen und Suche dafür noch nach einer Lösung. Wenn sich der insgesamt gute Eindruck verstärkt, könnte dann das Nachfolgemodell a6300 interessant werden. Hier gibt es ein Magnesiumgehäuse mit Dichtungen, also wohl eine robustere und "wertigere" Kamera, was mir gut gefallen würde.

Nicht winzig, aber kompakt und leicht mit Standardzoom 16-70

Erstmals habe ich mit den beiden Sony Kameras die "Auto-ISO" Funktion genutzt. Diese lässt sich mit den niedrigsten / höchsten Werten einstellen und war bei mir permanent im Bereich von ISO 100 bis 400 aktiviert. Höhere Werte wollte ich vorsorglich vermeiden und situativ lieber bewusst einstellen. In der Praxis fand ich diese Flexibilität mit einem Umfang von drei Lichtwerten recht angenehm. Das Rauschverhalten ist übrigens recht positiv bei der a6000, allerdings auch nicht erkennbar besser als bei der Nikon D7000.

Geht je nach Verwendungszweck: Strandbar mit ISO 12800 (RX100), nicht entrauscht
Hohe ISO-Werte sind für den Bildschirm noch einigermaßen tauglich

Leichte Kameras ermöglichen auch leichtere Stative, eine angenehme Begleiterscheinung. Ich hatte in Thailand das sehr kompakte Slik Sprint Mini dabei, völlig ausreichend für die Sony. Hier zahlt sich auch das Klappdisplay noch einmal aus, da das Stativ nicht besonders hoch ist. Etwas problematisch ist die Verwendung von Arca-Kameraplatten, die an der a6000 mit dem Klappdisplay in Konflikt geraten. Ich habe wieder auf das hier bessere Novoflex Mini-Connect System zurückgegriffen, das trägt auch nicht groß auf an der Kamera. Ob es speziell auf die a6000 abgestimmte Arca-Platten gibt, vermag ich nicht zu sagen.

Gut gefallen hat mir die RX100. Als "Hosentaschenkamera" hatte ich sie tatsächlich genau so öfters dabei, zum Beispiel abends. Dann konnte der Rucksack im Zimmer bleiben und für ein paar spontane Bilder und Videos ist man dennoch gut gerüstet. Hier ist natürlich alles noch etwas "fummeliger" bei der Bedienung, was nicht überrascht bei der Größe, die kaum die Maße einer Zigarettenschachtel übersteigt. Die Kleine wirkt recht robust im Metallgehäuse und das Fotografieren damit macht schon Spass. Die aufklebbare Griffwulst für die Vorderseite ist Pflicht, damit verbessert sich die Handhabung. Die Bildergebnisse und Videos sind nach erster Sichtung völlig in Ordnung. Wunder darf man nicht erwarten, das Rauschen fällt naturgemäß schlechter aus als bei der a6000, ist aber immer noch in einem erstaunlich gutem Rahmen. Bei Sonnenschein entstehen qualitativ sehr gute Fotos mit der "Kleinen". Wenn Minimalismus erforderlich ist, etwa Reisen nur mit Handgepäck, wäre das die Kamera meiner Wahl. Auch hier bietet sich ein Zweitakku an, denn die Leistung ermöglicht auch nur ca. 300 Bilder. Dafür geht das Aufladen in der Kamera am Handyladekabel angenehm fix und ein Ladegerät kann man sich sparen.

Schussbereit

Nach den bisherigen Erfahrungen wird mich das Gespann der beiden Sonys sicherlich noch bei weiteren Gelegenheiten begleiten. Entscheidende Nachteile oder Einschränkungen gegenüber der DSLR-Ausrüstung konnte ich nicht feststellen, abgesehen von der Zeitraffer-Problematik.

Alles im Blick

1 Kommentar: