Sonntag, 17. Juni 2012

Myanmar

Myanmar ist nun in aller Munde, spätestens seit Aung San Suu Khi gerade Europa bereist. Das nehme ich mal zum Anlass, auch ein paar Zeilen über dieses faszinierende Land zu schreiben.

Die Berichterstattung der letzten Zeit hat schnell von "schwarz" auf "weiß" umgeschaltet, auf einmal schien alles gut im größten Land Südostasiens. Das ist es natürlich nicht, aber der Weg ist denke ich richtig und die neue Freiheit wird so einfach nicht rückgängig zu machen sein.

Obwohl, sicher kann man wahrscheinlich nicht sein, das Regime war lange völlig unberechenbar. Die Auskunft eines Wahrsagers ließ die Herrschenden von heute auf morgen den Linksverkehr einführen, eher eine Annekdote. Angst vor einer bevorstehenden Invasion (oder was auch immer) ließen eine Retortenstadt im Dschungel als neue Hauptstadt entstehen, dort war die Regierung nach dem Umzug zeitweise nicht einmal telefonisch zu erreichen. 2008 wurde die von Mönchen initiierte Massendemonstraton für Demokratie blutig niedergeschlagen, unfassbar. Ich hätte nicht gedacht, dass man gegen Mönche in dieser Härte vorgeht, die Robenträger gelten im ganzen Land als absolute Respektpersonen und sind unantastbar.


Nun ist die Ikone der Demokratiebewegung aus dem Hausarrest entlassen und in ein neues Parlament gewählt. Die Machthaber tauschten Uniform gegen Zivilanzug und der Westen nähert sich wieder an. Das alles ist gut, aber auch natürlich noch viel alter Wein in den neuen Schläuchen.

Zuletzt war ich 2006 im Myanmar. Damals stellte sich natürlich die Frage: Reisen in Diktaturen, darf man das? Natürlich profitieren die Mächtigen davon, unvermeidbar, aber nicht ausschließlich. Ich habe mich dafür entschieden und bin vielen Menschen begegnet, die Tourismus auch damals schon befürwortet haben, die nach Austausch und Kontakt zur Welt geradezu lechzten. Ein Teil meiner Dollar floß in die Taschen von Militärs, Reichen und natürlich ausländischen Investoren, vor allem die Chinesen machten schon lange gute Geschäfte dort. Das machen sie heute genauso und der heutige Reisende füllt natürlich ebenso die Schatullen derer, die Jahrzente das Land ausplünderten und Besitz anhäuften. Genauso wie vor Jahren profitieren aber ebenso viele "kleine Leute", die jedes Einkommen bitter nötig haben. Myanmar ist nach wie vor eines der ärmsten Länder der Welt.

Bagan bei Sonnenaufgang
Mich hat Myanmar schwer beeindruckt, die Reisen dort hin gehören zu den unvergesslichen. Ich erinnere mich an etliche Augenblicke, die immer noch einen Gänsehautfaktor haben: alleine zum Sonnenaufgang auf einer Pagode in Bagan sitzen und zusehen, wie sich Himmel orange färbt und hunderte von Tempeln aus dem Nebel auftauchen... Im Ruderboot lautlos über die Kanäle am Inle See gleiten und Stupas im Abendlicht spiegeln sich im Wasser, das glatt wie eine Eisfläche da liegt... Sonnenauf- und untergänge in der unvergleichlichen Shwedagon-Pagode, umgeben von meditierenden Mönchen und leisem Klang hundeter Glöckchen...
Momente der Stille und des Glücks.

Shwedagon-Pagode in Yangon
In kaum einem Land habe ich eine ähnliche Gastfreundlichkeit und eine solch tiefe Religiosität erlebt. Vieles wird improvisiert, die Infrastruktur ist oft grottig, aber alles funktioniert irgendwie. Keine (fast obligatorische) Panne bei Verkehrsmitteln bringt aus der Ruhe, man hilft sich. Jeder Tag bringt neue Begegnungen, neue Erlebnisse, neue Unvorhersehbarkeiten - eben das, was Reisen ausmacht. Die Kulisse mit schönen Landschaften und den Tempeln des "goldenen Landes" könnte besser nicht sein.

Inle-See
Mit dem politischen Aufbruch steigen gerade die Preise, Tourismus ist nun wieder "korrekt" und soll zum richtigen Wirtschaftszweig ausgebaut werden. Potential dafür gibt es genug. Ich würde jederzeit wieder hin fahren und kann das auch nur empfehlen. Dem Land und seinen Menschen fühle ich mich nun seit einigen Jahren weiter verbunden und unterstütze einige durch Mitarbeit im Verein Myanmar Kinderhilfe, auch hier sei ein Besuch empfohlen.

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